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(2) Stadtmitte / Tunnel / Südumfahrung

 

SZ v. 4.3.15 

Bürgerforum fordert eine Alternative zum Stadtautobahn-Tunnel

Saarbrücken. „Das Baudezernat wie auch der Stadtrat sollten endlich einsehen, dass das Tunnel-Projekt, so elegant die Lösung auch sein mag, einfach nicht finanzierbar ist.“ Mit dieser Forderung reagiert das Saarbrücker Bürgerforum auf die Ankündigung des Landesbetriebs für Straßenbau im Bauausschuss des Saarbrücker Stadtrats, dass weitere 1,1 Millionen Euro für die Planung eines Stadtautobahntunnels bereitgestellt werden (die SZ berichtete).

1,5 Millionen Euro habe der Landesbetrieb bereits investiert. Dass weiter Geld für die Tunnelplanung fließt, obwohl er aus dem Großprojekt „Stadtmitte am Fluss“ offiziell herausgenommen ist, begründet der Landesbetrieb so: Selbst wenn er in absehbarer Zeit nicht zu finanzieren sei, so habe man ihn dann doch planungsreif in der Schublade, wenn sich eine Chance ergäbe.

Anstatt weiter vom Tunnel zu träumen und „nichts, aber auch gar nichts an der unerträglichen Situation, die die Stadtautobahn durch Lärm und Verkehrsaufkommen verursacht“, zu ändern, ist für das Bürgerforum der falsche Weg. Es müsse endlich ernsthaft eine Verschwenkung der A 620 durchs Deutschmühlental, die sogenannte Südumfahrung, geprüft werden. Wenn eine „seriöse Überprüfung dieser Möglichkeit“ zu dem Ergbnis komme, dass eine Umfahrung nicht machbar ist, „könnte doch wenigstens alles dafür getan werden, dass die durch die Autobahn verursachten Lärmemissionen reduziert werden“, fordert das Bürgerforum.

Wichtig seien Lärmschutzwände – nicht nur, wie geplant, am Staden, sondern auch gegenüber der Berliner Promenade und dem Bürgerpark. ols  


SZ v. 3.2.2015

 

Monster aus Beton

Überall in Deutschland leiden Städte unter Verkehrsprojekten vergangener Tage

Nicht nur in Saarbrücken hadert man mit städtebaulichen Errungenschaften längst vergangener Tage. Stadtautobahnen, Hochstraßen, vierspurige Trassen: Was einst als Höhepunkt der Ingenieurskunst galt, halten viele heute nur noch für Bausünden.

Von Karsten Packeiser (epd) und Thomas Schäfer (SZ)

Mainz/Saarbrücken. Die Lösung aller Verkehrsprobleme von Idar-Oberstein war 1875 Meter lang, 265 Millionen DM teuer und galt der überregionalen Presse schon zu Bauzeiten als „Akt der Barbarei“: Der Fluss Nahe, der sich einst unterhalb der Felsenkirche mitten durch das Ortszentrum schlängelte, wurde mit einer vierspurigen Schnellstraße überbaut. Das Ortsbild des Edelstein-Städtchens änderte sich immens. Die Pläne dafür stammten aus der Nachkriegszeit, gebaut wurde in den 80er Jahren.

Wolfgang Augenstein gehörte von Anfang an zu der Minderheit von Bürgern, die sich gegen die brachiale Umgestaltung der Stadt aussprachen. „Ich kann alle verstehen, die die Verkehrsbelastung unerträglich fanden“, räumt der Kommunalpolitiker ein, der das Projekt einst mit einer Bürgerinitiative stoppen wollte. Vor dem Bau der Schnellstraße drängte sich der Durchgangsverkehr durch zwei enge Einbahnstraßen. Doch alternative Trassenführungen oder ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs seien nicht intensiv genug geprüft worden, klagt Augenstein. Im Rückblick sieht er sich bestätigt: Die Stadt sei durch die neue Bundesstraße zerschnitten worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Ingenieure und Architekten vielerorts in Deutschland vor Herkulesaufgaben. Und die meisten wollten beim Wiederaufbau der zerstörten Städte gleich noch alte Fehler korrigieren. Viele Verantwortliche hätten einfach dem großen Vorbild USA nachgeeifert, glaubt Ulrich Mohr von der Umweltorganisation BUND: „Man wollte modern sein, das Geld war da, und dann wurden die Sachen durchgezogen.“

Geradezu durchtränkt von Euphorie liest sich ein Bericht des Magazins „Der Spiegel“ von 1959 über das „Wunder von Hannover“ – den Bau der ersten Hochstraßen Deutschlands: „Wenn sie fertig sind, können die Autofahrer aus der Richtung Ruhrgebiet – was kaum in einer anderen deutschen Stadt möglich ist – unbehindert durch Kreuzungen oder Ampeln mit unbeschränkter Geschwindigkeit bis zum Stadtkern preschen“, malte der Autor die damals nahe Zukunft voraus. Das Schlagwort für die Entwicklung lieferte der Architekt Hans Bernhard Reichow mit seinem Werk „Die autogerechte Stadt“.

In Städten wie Koblenz oder Ludwigshafen entstand ein Gewirr von Schnellstraßen. Auch Saarbrücken wurde zur geteilten Stadt. Mit dem Bau der Stadtautobahn sei „die Saar vergewaltigt worden“, sagte der Schauspieler Jochen Senf vor Jahren einmal. Die Autobahn sei „ein Terrorangriff auf die Stadt“, befand der Mann, den hierzulande jeder als „Tatort“-Kommissar Max Palu kennt.

Inzwischen sind viele der einstigen Prestigeprojekte zu Sanierungsfällen geworden. In Marburg, wo die höhergelegte Bundesstraße 3a das historische Zentrum zerteilt, wird wie in Saarbrücken seit Jahren über einen Tunnel als Alternative nachgedacht. „In vielerlei Hinsicht ist das ein Monstrum“, kritisiert Gerd Haberle von der Initiative Stadtautobahn Marburg die ungeliebte Bundesstraße. Optimisten verbinden eine Beseitigung dieses zählebigen „Monstrums“ mit der Jahreszahl 2029, wenn die Bundesgartenschau in der Universitätsstadt an der Lahn stattfinden soll. Für Saarbrücken scheint derzeit selbst dieses ferne Jahr unrealistisch. Dass jemals ein Tunnel gebaut wird, glaubt kaum noch jemand.

In manchen städteplanerischen Entwürfen ging es in der Nachkriegszeit noch um viel mehr als um zeitgemäße Verkehrstrassen. Im Auftrag der französischen Besatzungsmacht wollte der Stararchitekt Marcel Lods in Mainz die „modernste Stadt Europas“ aus den Weltkriegsruinen auferstehen lassen. An der Stelle der Mainzer Neustadt sollten Straßen mit langgezogenen, zehnstöckigen Hochhäusern in den Himmel aufragen. Von der Vorkriegsstadt wäre nur noch eine kleine „historische Insel“ mit Museums-Charakter um den Dom herum übriggeblieben. Wenigstens dieser abenteuerliche Plan blieb ein Hirngespinst.

Ulrich Mohr, BUND



 

 SZ v. 3.2.2015

Der Tunnel ist

noch nicht beerdigt

Bund und Land investieren in die Straßen der Landeshauptstadt

Der Bund gibt 2015 etwa 72 Millionen Euro für Straßenerhaltung im Saarland aus, das unterfinanzierte Land nur 27 Millionen. Immerhin fließt davon ein großer Teil nach Saarbrücken. Im Bauausschuss wurden die Projekte angekündigt.

Von SZ-Redakteur

Peter Wagner

Saarbrücken. Nicht von Schaden, es beizeiten zu wissen: „Kurz und heftig in den Ferien“, vom 10. bis 31. August, soll die Saarbrücker Stadtautobahn zwischen Messe und Gersweiler in Richtung Saarlouis voll gesperrt werden. Grund ist die Instandsetzung von Stützmauer und Fahrbahnbelag. Das hat der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) in der Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates mitgeteilt. Insgesamt dauern die Arbeiten zehn Wochen. Der Freizeitverkehr auf dem Leinpfad soll ungestört weiterlaufen können.

LfS-Fachbereichsleiter Wolfgang Sauer kündigte für das Jahr 2015 weitere größere Baustellen von Bund und Land in der Stadt an. So werden bei vier Autobahn-Anschlusstellen die Beläge der Fahrbahnen erneuert, und zwar bei Zu- und Abfahrten: auf der A 6 die Anschlussstelle Goldene Bremm, auf der A 620 Schönbach sowie Güdingen (in Richtung City) und auf der A 623 die Anschlussstelle Herrensohr. Die einzelnen Termine stehen noch nicht fest, es ist nach Worten Sauers jeweils mit Vollsperrungen der Auf- und Zufahrten von drei bis vier Wochen zu rechnen.

Straßenbau-Referatsleiter Werner Schmitt vom Wirtschaftsministerium erfreute mit der Nachricht, dass auf der zurückgebauten Rastanlage Goldene Bremm 160 Parkplätze für Lastwagen und weitere 160 für Autos errichtet werden. Außerdem will die saarländische Straßenverwaltung hier ihre Verkehrszentrale bauen. Sie befindet sich derzeit in Rohrbach.

Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer sprach von einer „Wohltat für die Stadt“. Vor allem an den Sonntagen, wenn der Lastwagenverkehr ruhen muss, parken „Brummis“ alle verfügbaren Plätze zu, teilweise bis auf den Eschberg. Die neuen Parkplätze dürften diesen Missstand mildern. Wie Schmitt weiter sagte, ist der Vollanschluss der Messe an die Autobahn in der Phase der Verkehrsuntersuchung. Dieses Projekt, das zwei neue Brücken über die Saar beinhalte, koste über 30 Millionen Euro.

Auf wenig Gegenliebe stieß die Ankündigung des Ministeriums, im neuen Verkehrswegeplan des Bundes (ab 2015/16, gültig wohl 15 Jahre) zwei Projekte fortzuführen, für die es in der Kommunalpolitik derzeit keine Mehrheiten oder Antreiber gibt: eine 3,2 Kilometer lange Verbindung von A 1 und A 623 zwischen Burbach und Rodenhof für täglich 30 000 Autos. Und die Verlängerung der A 623 über die Westspange zur A 620. Gegenargument: Das seien ja nur zwei Optionen, die man nicht ziehen müsse.

Den Tunnel für die Stadtautobahn könne man nicht in den Plan schreiben, weil es kein Neubauprojekt sei. Die Pläne für den Tunnel sind aber nicht beerdigt. 1,5 Millionen Euro wurden bereits für seine Planung ausgegeben, weitere 1,1 Millionen sollen zugeschossen werden. Begründung: Selbst wenn er in absehbarer Zeit nicht zu finanzieren sei, so habe man ihn dann doch planungsreif in der Schublade, wenn sich eine Chance ergäbe.  

 
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