Home  Druckversion  Sitemap 

(3) Verkehr / Verkehrsentwicklungsplan 2015

Auf folgenden Artikel verwies Charlotte Britz bei der Auftaktveranstaltung zum VEP in der VHS am Sa., dem 21.3.2015. 

SZ 20.3.15

London baut Rad-Autobahnen

Kilometerlange Strecken für Zweiräder sollen sich durch britische Hauptstadt ziehen

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson plant nicht weniger als eine Revolution: Schnellstraßen nur für Radfahrer sind seine Antwort auf die verkehrstechnischen Probleme der Stadt und die Gefahren für Radler.

Von SZ-Korrespondentin Katrin Pribyl

London. Fahrradfahren in London galt lange als Unterfangen für Lebensmüde. Doppeldeckerbusse verstopfen die Straßen, Autos drängeln sich an schweren Lastwagen vorbei und alte Taxis verpesten die ohnehin verschmutzte Luft zusätzlich. Trotzdem schwingen sich immer mehr Menschen in den Sattel, um überfüllte U-Bahnen oder Staus zu umgehen. Und der Bürgermeister der Themsestadt hat Großes für sie vor. Boris Johnson ist selbst begeisterter Radler und Namensgeber für die Leihräder, die überall in der Stadt zur Verfügung stehen und flapsig „Boris Bikes“ genannt werden. Nun will er eine „Revolution“ durchsetzen. Nachhaltig, cool und sicher – so soll das Radeln in der britischen Hauptstadt zukünftig werden. Dafür will er „Cycle Superhighways“ im Zentrum Londons errichten.

Der städtische Verkehrsbetrieb Transport for London hat dem ambitionierten Projekt bereits zugestimmt. Die beiden Radwege, die sich kilometerweit von Osten nach Westen sowie von Norden nach Süden ziehen sollen, kosten umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro. Anders als bislang soll nicht nur am Straßenrand etwas Platz in Form eines blauen Streifens gemacht werden. Vielmehr wird ein Teil der Auto-Spuren abgetrennt, um als reine Fahrradspuren zu fungieren.

Denn immer wieder lösen tragische Unfälle Debatten über die Verkehrssicherheit auf Londons Straßen aus. Dem Verkehrsministerium zufolge starben zwischen 2009 und 2013 insgesamt 80 Menschen bei Unglücken, in die Radfahrer verwickelt waren. Fast 23 000 Unfälle wurden im selben Zeitraum in London gezählt. Erst vor wenigen Tagen starb eine 36-jährige Radlerin, nachdem sie von einem Lastwagen erfasst wurde – sie war das fünfte Todesopfer in diesem Jahr.

Der Bürgermeister hat sich für das Projekt offenbar das Fahrradparadies Niederlande als Vorbild auserkoren. Immerhin muss der Verkehr aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl dringend entlastet werden. Rund 8,6 Millionen Menschen leben in der Hauptstadt, in wenigen Jahren sollen es bereits zehn Millionen sein. Ein Kollaps droht. „Wenn wir mehr Menschen auf ihre Räder bringen, reduziert das den Druck auf den Straßen, in Bussen und Zügen, es verringert die Luftverschmutzung und verbessert das Leben für jeden“, sagt Johnson.

Bis April 2016 könnte Europas längster städtischer Radweg fertig sein, sollte es nicht noch Klagen geben. Denn obwohl die „Highways“ im Parlament von allen Parteien unterstützt werden, stoßen die Pläne etwa bei Taxifahrern und privaten Beförderungsunternehmen auf Widerstand. Sie befürchten mehr Staus aufgrund der reduzierten Pkw-Spuren.



http://www.saarbruecken.de/rathaus/medien_und_buergerkommunikation/artikeldetail/article-54d8775360c40 

: 

http://www.vep.saarbruecken.de/ 


SZ v.17.2.15 

Straßenbauabgabe

Pendler fahren, Anwohner bezahlen

Zum Artikel „Hier ist Parken noch erschwinglich“ – SZ vom 2. Februar

In dem Artikel wird festgestellt, dass jeden Tag rund 140 000 Pendler in die Stadt kommen. Geht man davon aus, dass 1/3 von ihnen mit dem eigenen Auto kommt, so summiert sich das auf ca. 46 000 Fahrzeuge, weil die meisten nämlich alleine fahren. Ihnen stehen nach der Aufstellung der SZ rund 8700 Parkplätze zur Verfügung. Da viele dieser Parkplätze jedoch zu Geschäften gehören, reduziert sich das Parkplatzangebot noch um mindestens 2000 Plätze. Theoretisch stehen demnach 46 000 Parkplatzsuchern gerade einmal 6000 Parkplätze zur Verfügung. Die von der Stadt mit Parkuhren bewirtschafteten Kurzzeitparkplätze kommen für Pendler überhaupt nicht in Frage. Da die wenigsten Firmen und Geschäfte ihren Bediensteten Parkraum zur Verfügung stellen, verteilt sich der Rest der parkenden Pendler-Fahrzeuge auf unsere Wohnstraßen, für die wir – ohne deren Beteiligung – künftig Straßenbau-Beiträge zahlen sollen. Es ist daher allerhöchste Zeit, dem öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) viel größeres Gewicht zu verleihen. Das geht aber nicht durch Bau von Taxiplätzen und durch den Wegfall der Busspuren in der Dudweiler Straße und auch nicht durch Reduzierung der Fahrspuren auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke, die die größte Verteilerfunktion in der Innenstadt überhaupt (noch) bietet, insbesondere und gerade sogar für den ÖPNV.

Lothar Karst, Saarbrücken

 


 SZ v. 3.2.2015

 

„Symbol der Moderne“

1963 wurde die Saarbrücker Stadtautobahn als große Errungenschaft gefeiert

Viele Saarbrücker stöhnen heute über den Lärm und den Gestank der Stadtautobahn. Als sie 1963 eröffnet wurde, war der Jubel allerdings groß. Über sich ändernde Wertvorstellungen einer Gesellschaft sprach SZ-Redakteur Thomas Schäfer mit dem Leiter des Saarbrücker Stadtarchivs, Hans-Christian Herrmann.

Herr Herrmann, die Stadtautobahn gilt heute als die wohl größte Bausünde in Saarbrücken. Was veranlasste die Verantwortlichen vor vielen Jahrzehnten zu dem Projekt?

Herrmann: Größte Bausünde? Als die Stadtautobahn am 14. Dezember 1963 für den Verkehr freigegeben wurde, jubelten die Saarbrücker und das ganze Land. Die Autobahn war ein Symbol der Moderne, vor allem ein Symbol für den erfolgreichen Anschluss an die Bundesrepublik. Wirtschaftlich brauchte das Saarland ganz dringend Autobahnanschlüsse, es war verkehrsgeografisch vom Rest der Welt abgetrennt. Der saarländische Schriftsteller Manfred Römbell lässt den Erzähler in seinem Roman „Rotstraßenträume“ dazu feststellen: „Denn ein Bundesland ohne Autobahn war kein Bundesland, das war die Walachei“.

Die Autobahn wurde also als große Errungenschaft gefeiert?

Herrmann: Die Mehrzahl der Saarländer lebte schon damals in kleineren Orten und Städten und die Mehrheit arbeitete in Saarbrücken. Nach Eröffnung der Stadtautobahn wunderten sich die Saarbrücker Chefs, ihre Mitarbeiter kamen fast 30 Minuten früher zur Arbeit. Mit der Stadtautobahn ging vieles schneller, vor allem wälzten sich vorher Verkehrslawinen durch die Stadt. Die Autobahn brachte Entlastung, aber immer mehr Menschen wurden zu Autobesitzern und so stieg das Verkehrsaufkommen trotzdem kontinuierlich. Saarbrücken hat den Verkehr einer Millionenmetropole.

Gab es im Saarland denn überhaupt keine Proteste gegen den Autobahnbau?

Herrmann: Bei der Eröffnung titelte die Saarbrücker Zeitung „Den Anschluss geschaffen“ und sprach von der Autobahn im Grünen. Vereinzelt äußerten Bürger Kritik an der Umsetzung und die war zweifellos auch berechtigt, denn Brückenbögen der Alten Brücke waren beseitigt worden und vor allem die später erforderliche Umgestaltung der alten Schlossmauer im Rahmen der Hochwasserumgehung sorgte für großen Ärger. Es waren Facheliten wie etwa Kunsthistoriker, Architekten und vor allem der Landeskonservator, der von Ministerpräsident Röder, damals zugleich Kultusminister, an die Kandare genommen wurde.

Der Sinn für historische Bausubstanz war damals in Deutschland und vor allem im Saarland nur schwach entwickelt und auch die ungünstige Führung der Autobahn viel zu nahe am damals noch fast neuen Pingusson-Bau spielte seinerzeit keine Rolle. Erst im Zuge der Kritik an der autogerechten Stadt Anfang der 1970er Jahre und durch die Hochwasserproblematik sah die Öffentlichkeit kritischer auf die Stadtautobahn, die sie einst so bejubelt hatte. Aber Hochwasser hatte es schon vor der Stadtautobahn gegeben und wenn man die Autobahn auf Stelzen gebaut hätte, wie das seinerzeit auch erwogen wurde, wäre ein wahres Monstrum entstanden.

Was kostete der Bau der Stadtautobahn eigentlich?

Herrmann: Seinerzeit war die Rede von 70 Millionen DM. In erster Linie war es ein Projekt des Bundes, in das die Stadt und das Land miteingebunden waren. Insgesamt ist die Stadtautobahn ein klassisches Beispiel dafür, wie sich die Wertvorstellungen einer Gesellschaft im Laufe der Zeit ändern. Foto: Theobald

 


SZ v. 21./22. 2.15 

Radfahrer geben

der Stadt keine gute Note

ADFC: Saarbrücker fühlen sich auf dem Rad nicht wohl

Platz 27 von 37 – Saarbrücken landet in puncto Fahrradfreundlichkeit bei Städten gleicher Größe im unteren Mittelfeld. Jedenfalls im Fahrradklima-Test 2014 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Von SZ-Redakteurin

Dörte Grabbert

Saarbrücken. Schlechte Ampelschaltungen, bei Baustellen wird nicht an Umleitungen oder Hinweise für Radfahrer gedacht, Falschparker auf Radwegen werden zu wenig kontrolliert und Radfahrer von vielen Autofahrern nicht als Verkehrsteilnehmer akzeptiert – das sind die wichtigsten Kritikpunkte der 163 Saarbrücker Radfahrer, die beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) mitgemacht haben.

Mithilfe von 27 Fragen haben im Oktober und November vergangenen Jahres bundesweit Radfahrer ihre Städte bewertet. Saarbrücken kommt bei den fahrradfreundlichsten Städten mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern auf Platz 27 von 37.

Thomas Fläschner, Sprecher des ADFC im Saarland, bereitet das Umfrageergebnis Sorgen: „Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt. Und die Saarbrücker fühlen sich auf dem Rad nicht wohl.“ Dabei ließe sich schon mit kleineren Maßnahmen, die auch nicht viel kosten, die Situation deutlich entschärfen. So solle etwa bei Baustellen auch an Hinweise oder Umleitungen für Radfahrer gedacht werden. Außerdem könne die Öffentlichkeitsarbeit verbessert werden, sagt Fläschner. Die Stadt habe etwa auf ihrer Internetseite immer noch keinen eigenen Auftritt für Radfahrer. Der ADFC-Sprecher: „Wenn Saarbrücken will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit etwas Gutes für ihre Gesundheit und die Stadt tun, dann muss mehr getan werden, als nur von Radverkehrsförderung zu reden.“ Fläschner hofft aber auch, dass die Absicht der Verwaltung, mehr Falschparker auf Radwegen abzuschleppen, sich bald positiv für den Radverkehr auswirkt.

Auch die befragten Saarbrücker kritisierten nicht nur. Die Teilnehmer der Umfrage lobten, dass die Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr geöffnet sind, das Stadtzentrum mit dem Rad gut zu erreichen ist und es im Allgemeinen viele Wegweiser für Radfahrer gibt.

Entsprechend positiv bewertet die Stadt Saarbrücken das Umfrageergebnis. „Saarbrücken liegt im Städteranking immer noch im unteren Drittel, verbessert sich aber gegenüber der Umfrage 2012 leicht. Damit hat sich der Trend aus dem Fahrradklimatest 2012 bestätigt, dass Saarbrücken zu den Aufsteigerstädten gehört, was die Fahrradfreundlichkeit betrifft“, sagt Stadtsprecher Thomas Blug. Und verkündet: „Bis zum nächsten Fahrradklimatest möchten wir weitere Verbesserungen erreichen.“

So sei die Stadt dabei, die Radverkehrsinfrastruktur so auszubauen, dass die Verkehrssicherheit besser wird und sich die Radfahrer auch sicherer fühlen. Und bei Straßensanierungen werde die Radverkehrsinfrastruktur gleich mit eingeplant, zählt Blug auf. Er verweist auch auf den neuen Verkehrsentwicklungsplan, der gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt und von der Stadt umgesetzt wird. Der Radverkehr spiele dabei eine wichtige Rolle. adfc.de/fahrradklima-test  

 
CMS von artmedic webdesign