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Medienspiegel / Zuschriften

SZ v. 4.3.15 

Bürgerforum fordert eine Alternative zum Stadtautobahn-Tunnel

Saarbrücken. „Das Baudezernat wie auch der Stadtrat sollten endlich einsehen, dass das Tunnel-Projekt, so elegant die Lösung auch sein mag, einfach nicht finanzierbar ist.“ Mit dieser Forderung reagiert das Saarbrücker Bürgerforum auf die Ankündigung des Landesbetriebs für Straßenbau im Bauausschuss des Saarbrücker Stadtrats, dass weitere 1,1 Millionen Euro für die Planung eines Stadtautobahntunnels bereitgestellt werden (die SZ berichtete).

1,5 Millionen Euro habe der Landesbetrieb bereits investiert. Dass weiter Geld für die Tunnelplanung fließt, obwohl er aus dem Großprojekt „Stadtmitte am Fluss“ offiziell herausgenommen ist, begründet der Landesbetrieb so: Selbst wenn er in absehbarer Zeit nicht zu finanzieren sei, so habe man ihn dann doch planungsreif in der Schublade, wenn sich eine Chance ergäbe.

Anstatt weiter vom Tunnel zu träumen und „nichts, aber auch gar nichts an der unerträglichen Situation, die die Stadtautobahn durch Lärm und Verkehrsaufkommen verursacht“, zu ändern, ist für das Bürgerforum der falsche Weg. Es müsse endlich ernsthaft eine Verschwenkung der A 620 durchs Deutschmühlental, die sogenannte Südumfahrung, geprüft werden. Wenn eine „seriöse Überprüfung dieser Möglichkeit“ zu dem Ergbnis komme, dass eine Umfahrung nicht machbar ist, „könnte doch wenigstens alles dafür getan werden, dass die durch die Autobahn verursachten Lärmemissionen reduziert werden“, fordert das Bürgerforum.

Wichtig seien Lärmschutzwände – nicht nur, wie geplant, am Staden, sondern auch gegenüber der Berliner Promenade und dem Bürgerpark. ols

 


 

SZ v. 9.2.2015

Ulrike Donié führt weiter das Saarbrücker Bürgerforum

Saarbrücken. Auch im 40. Jahr seines Bestehens hat das Saarbrücker Bürgerforum einiges vor. „Wohnen und leben im Alter“ bleibe ein wichtiges Thema. „Zur Verkehrspolitik wollen wir uns neben der Tunnelfrage mit Fahrradfahren in der Stadt, Entschärfung der Stadtautobahn, Lärmschutz und der Abkehr von der autopräferierenden Vekehrspolitik beschäftigen“, teilt die Vorsitzende Ulrike Donié in diesen Tagen nach der Mitgliederversammlung mit.

Zuvor hatte die Mitgliederversammlung sie im Amt bestätigt. Mit ihr leiten Klaus Fuhs (stellvertrender Vorsitzender), Helge Kolling (Schriftführerin) und Walter Pitz (Schatzmeister) das Forum. Als Beisitzer arbeiten Barbara Kohler, Dietmar Kolling, Edith Kuhn, Michael Müller und Edgar Schütze im Vorstand mit. Revisorinnen sind Ina Grundhoff und Petra Otto.

„Das Thema Sauberkeit, ein Reizthema in Saarbrücken“, will das Bürgerforum aufgreifen, sagt Donié. „Und wir wollen auch die Idee weiterverfolgen, für Saarbrücken eine Markthalle zu bauen; wenn nicht auf dem Beethovenplatz, dann könnte das auch im Bürgerpark erfolgen. Das wäre auch eine Attraktivitätssteigerung des immer noch so ungeliebten Parks“, findet sie.

Um an diesen Dingen zu arbeiten, sucht das Bürgerforum Mitstreiter. Gefragt seien aber auch Menschen, „die eigene Themen zur Stadtgestaltung mit dem Ziel einer menschenwürdigen Stadt einbringen und bearbeiten wollen“. ols

Das Bürgerforum trifft sich an jedem dritten Dienstag im Monat um 19.30 im Bistro Malzeit, Scheidter Straße 1.   

 

SZ vom 21.7.14

 

Die Mutter aller Feste redet nicht mehr

Im Feiern und Musizieren ist das Altstadtfest noch Avantgarde

In den 1970ern und 1980ern wurden beim Saarbrücker Altstadtfest Themen behandelt, über die der Rest der saarländischen Welt erst Jahre später sprach. Heute ist es anders. Aber schlechter? Macher von früher schauten bei einer Podiumsdiskussion mal zurück.

Von SZ-Redakteur

Peter Wagner

Saarbrücken. Das Saarbrücker Altstadtfest 1975 war nicht nur die erste Veranstaltung dieser Art im Saarland (und darüber hinaus), also quasi die Mutter aller Stadt-, Dorf- und Straßenfeste, die jeder Saarländer kennt, oft auch schon zur Genüge. Es brachte nicht nur „Kultur für alle“ von beachtlicher Qualität, sondern auch politische Themen auf die Gassen. Dieses von der Stadtverwaltung und dem Bürgerforum Saarbrücken in die Welt gesetzte Fest war schlichtweg „Avantgarde“, wie es der Journalist und Moderator Jürgen Albers am Samstag bei einem entspannt-distanzierten Diskussions-Rückblick in der Stadtgalerie auf den Punkt brachte. Thema: 40 Jahre Altstadtfest – „Essen und Trinken, Politik und Kultur“.

Ulrike Donié vom Saarbrücker Bürgerforum konnte die Würdigung als Vorreiter-Fest nur bestätigen: So habe man sich bereits 1982 mit demographischem Wandel und Seniorenwohnen in der City beschäftigt (und die Grauen Panther aus Wuppertal hergeholt), man habe gesundes Essen propagiert, als es im ganzen Saarland erst ein Dutzend Bioläden gab, habe für den Erhalt der Alten Brücke und des Stadens sowie für die Einrichtung der Fußgängerzone am St. Johanner Markt gekämpft. „Das alles war auch gut so“, pflichtete Oskar Lafontaine bei, damals SPD-Stadtoberhaupt, und erinnerte sich besonders gern, dass das Altstadtfest auch Umwelt- und Friedensthemen propagierte, es habe „Aufbruchstimmung erzeugt“ und „Identität gestiftet“.

Und heute? Seit 15 Jahren haben sich Verwaltung und Bürgerforum auseinandergelebt, das Fest wird allein von der Stadt verantwortet, die großen Themen sind nicht mehr da – ein Verlust? Ja, sagte Lafontaine, und regte an, dass man doch wunderbar über das Für und Wider von „Stadtmitte am Fluss“ oder den Museumsneubau reden könne. Oder, wenn es was Großes sein solle, über das Ausspähen der Bürger in aller Welt durch Nachrichtendienste.

Walter Pitz, früherer Programmdirektor des Festes, zeigte sich skeptisch, ob heute noch 500 Menschen vor einer Bühne lauschen, auf der zwei Stunden diskutiert wird (zu der hier beschriebenen Stadtfest-Diskussion kamen 40 Menschen). „Das geht nicht mehr“, so Pitz, schon gar nicht aus dem Rathaus heraus. Aber ob das Bürgerforum wieder ins Festgeschehen eingreift? Es überhaupt will? „Unser Kind ist uns sehr fremd geworden“, so Donié.

Dass es verzogen oder garstig sei, wollte dann aber auch keiner behaupten. Aus dem Zuhörerraum bedankte sich der Musiker Hans Martin Derow von der Gruppe An Erminig, dass das Altstadtfest von Anfang bis heute der Linie treu geblieben sei und Interpreten verpflichtet habe, deren Musik die Besucher fordert und nicht nur „Abtrink-Begleitprogramm“ ist – gegenüber dem Gros der Feste im Land wirke es damit also dann doch immer noch avantgardistisch.

 

 

Treppe 600.jpg 

SZ vom 24.4.2014

„Man muss doch nicht mutwillig Sachen kaputtmachen“

Saarbrücken. Dass die Stadtverwaltung die Treppe, die hinter dem Finanzamt vom Leinpfad zur Wilhelm-Heinrich-Brücke führt, abreißen und durch eine Rampe für Fahrradfahrer ersetzen will (die SZ berichtete), stößt beim Saarbrücker Bürgerforum auf Unverständnis. Weil Zuschüsse der Europäischen Union nur noch bis Oktober abgerufen werden können, will die Stadt die Rampe noch in diesem Sommer bauen. Rund 400 000 Euro soll diese Rampe, die den Weg für Radfahrer und Rollstuhlfahrer ebene, kosten. 200 000 Euro kommen von der EU, jeweils 100 000 Euro von Stadt und Land.

„Man muss doch nicht mutwillig Sachen kaputtmachen, nur weil man gerade Geld hat“, sagt die Sprecherin des Bürgerforums, Ulrike Donié. Die Treppe, die Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer als marode einstuft, sei „wunderschön“, sagt Donié. „Da ist Schatten, das kann man mitten in der Stadt nicht hoch genug schätzen. Da kann man schön sitzen“, findet sie. Die Radfahrer könnten hinter dem Finanzamt fahren und kämen von da aus auch gut an die Saar runter, argumentiert das Bürgerforum. ols



 

 

SZ vom 19.03.14

 

 Saarbrücker wollen Stück Geschichte retten

Das Bürgerforum sucht Sponsoren zur Sanierung eines historischen Reliefs

Als 2008 Walters Eck abgerissen wurde, konnte das Relief, auf dem die Großstadtwerdung Saarbrückens dargestellt ist, gerettet werden. Ein Teil davon ist verschwunden und jetzt wieder aufgetaucht.

Von SZ-Redakteur

Martin Rolshausen

Saarbrücken. „Die müssen irgendwo sein.“ Ulrike Donié, die Vorsitzende des Saarbrücker Bürgerforums, war sich sicher: Die beiden steinernen Obstkörbe, die die Fassade des ehemaligen Kaufhauses Walter in der Viktoriastraße geziert haben, konnten nicht einfach verschwunden sein. Immerhin, sagt sie, sind „die Dinger gut einen Meter groß“.

2008 wurde Walters Eck abgerissen, um Platz zu machen für das neue C&A-Gebäude. Die Skulpturengruppe, die an die Vereinigung von Alt-Saarbrücken, St. Johann und Burbach/Malstatt zur Großstadt Saarbrücken 1909 erinnert, wurde gerettet und steht inzwischen vor dem Stadtarchiv. Donié und ihre Mitstreiter vom Bürgerforum hatten an dieser Rettung maßgeblichen Anteil.

Aber wo waren die Obstkörbe aus dem Relief? „Wir haben immer wieder nachgefragt und gesucht“, sagt Donié. Und schließlich wurden die Obstkörbe gefunden: bei der Forstverwaltung am Wildpark. Wie immer sie dahinkamen, sie sollen nun in der neuen kleinen Grünanlage gegenüber der Europa-Galerie montiert werden.

Dazu müssen die Obstkörbe aber restauriert werden. Das Bürgerforum hat einen Steinmetz gefunden, der das zusammen mit Auszubildenden machen will. Dennoch kostet die Restaurierung noch exakt 8333 Euro, sagt Donié. Das Bürgerforum hat so viel Geld nicht und sucht nun Sponsoren. Anders formuliert: Auch was das Geld angeht, ist Donié sicher: Das muss irgendwo sein.

Kontakt: Ulrike Donié, Telefon (06 81) 4 78 21

 

 


 

 

 Forum Ausgabe 2013, 26

 

 Am Anfang

war der

Bürgerwille

Von Monika Jungfleisch

 

Dass das Saarbrücker Altstadtfest 1975 von einem knappen Dutzend engagierter Bürger, aus der Taufe gehoben wurde – wer hätte das gedacht? Doch genau so war es.

„Am Anfang stand eine kleine Anzeige in der Saarbrücker Zeitung“, erinnert sich Jörn Wallacher, der zusammen mit Hildegard Redicker und Helmut Müller vom SPD-Ortsverein St. Johann einer der Gründungsväter des Saarbrücker Altstadtfestes ist. „Wer Interesse hätte, sich an der Organisation eines Festes in St. Johann zu beteiligen, solle in eine Gaststätte in der Mainzer Straße kommen. Die Anzeige weckte mein Interesse. Ich ging zu dem Treffen und schon nach kurzer Zeit redeten wir uns die Köpfe heiß, was wir als Bürger miteinander für unsere Stadt machen könnten. Schnell war klar, dass wir ein Fest feiern wollten, das den Bürgern die sanierungsbedürftige historische Kernstadt ins Bewusstsein rückt, und das zusätzlich der vielfältigen Kleinkunstszene eine Bühne gibt.

Gesagt, getan. Wir stellten dem Kulturamt der Stadt Saarbrücken unsere Pläne vor, erhielten ein aufmunterndes ‚Okay‘, machten etwas Werbung in der Bahnhofstraße und wurden dann regelrecht von der großen Resonanz überrollt.“  Aus dem ganzen Land strömten Besucher nach Saarbrücken. In allen Hinterhöfen rund um den Marktplatz traten Künstler auf. Patricia Kaas war dabei, ebenso Anne Karin, der Jazzer Fritz Maldener, die Saarbrücker Stadtkapelle, Gerd Dudenhöfer, Alice Hoffmann, karnevalistische Größen wie Walter Werner und Heinz Johann, um nur einige zu nennen.

„Als es zur Erö#nung des Festes regnete, wurde uns bewusst, dass wir ganz vergessen hatten, die Hauptbühne am St. Johanner Markt zu überdachen“, erinnert sich Walter Pitz vom Kulturamt, und sagt sofort: „Mann, waren wir damals mutig.“ Die Kosten des Festes sollten durch den Verkauf von Getränken erwirtschaftet werden. Das finanzielle Risiko trug anfangs noch die Bürgerinitiative. Drei, vier Jahre später übernahm dann die Stadt Saarbrücken die Kosten, die Planung oblag weiterhin der Bürgerinitiative, die sich ab dem zweiten Altstadtfest 1976 dann „Saarbrücker Bürgerforum“ nannte.

Doch zurück zum ersten Altstadtfest. Das Hauptmotto war ja die Sanierung der Altstadt. Diskutiert wurde auf einem Podium mitten auf dem St. Johanner Markt. Dietmar Kolling, Architekt und Sprecher der Initiative auf dem Podium, machte sich für eine Fußgängerzone am Marktplatz stark. Nach dem Ende der Podiumsdiskussion organisierte er mit Hilfe einiger Jusos in der Nähe der „Tante Maja“ eine Unterschriftensammlung für dieses städtebauliche Ziel. Als Ministerpräsident Franz Josef Röder vorbeikam, sprach er ihn sofort an. Röder zögerte keinen Augenblick und unterschrieb. Mit dieser Unterschrift nahm für die beteiligten Bürger ein städtebaulicher Traum Fahrt auf, wenige Monate später wurde ein offenes Planungsverfahren für eine Verkehrsberuhigung eingeleitet. Bürger durften mitentscheiden. Ein tolles Gefühl. Und ein greifbares städtebauliches Ergebnis des ersten Altstadtfestes.

Nach dem riesigen Erfolg waren die Gründungsväter und – mütter wie elektrisiert. „Wir hatten das Gefühl, dass uns die Politiker mit unseren Anliegen ernst nehmen“, erzählt Jörn Wallacher. Dietmar Kolling schlug die Gründung eines Vereins mit dem Namen „Saarbrücker Bürgerforum“ vor, der laut Satzung gesellschaftsoffen und parteiunabhängig agierte. Seine Hauptaufgabe sollte zunächst die jährliche Organisation des Altstadtfestes sein.

In den Folgejahren arbeiteten das Bürgerforum und das Kulturamt der Stadt Saarbrücken eng zusammen. Im Mittelpunkt aller Altstadtfeste, die das Bürgerforum bis 1988 federführend organisierte, standen Fragen zur Stadtentwicklung und zur Stadtplanung, zur Sozial-, Gesellschafts- und Friedenspolitik. Das Bürgerforum griff Themen auf, für die sich die Bürger der Stadt interessierten, in denen sie ein Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht beanspruchten. Soll die Alte Brücke über die Saar abgerissen werden, um die Saar von der Mosel bis zur Brebacher Hütte zu kanalisieren? Wollen wir dafür wirklich einen Großteil der Saaruferaue am Staden opfern? Soll der Mittelrisalit des Saarbrücker Schlosses wieder im Barockstil aufgebaut werden, oder wollen wir eine moderne Architektur und eine bürgernahe Sanierung? Wie wollen wir in unserer Stadt mit Alten, Kindern, ausländischen Mitbürgern umgehen? Wie wollen wir in Zukunft arbeiten und leben? Diese und andere brisante Themen stellte das Bürgerforum in den Mittelpunkt seiner Altstadtfeste. „Wir wollten nicht nur ein Bratwurstfest. Für uns war ‚feiern und politisch diskutieren` der Webfaden unserer Festplanung“, sagt Wallacher. „Sonntags gab es immer eine große Podiumsdiskussion auf dem St. Johanner Markt mit Beteiligung des Saarländischen Rundfunks. An Infoständen konnten sich die Besucher des Festes über unsere politischen und gesellschaftlichen Themen sachkundig machen und ihre Meinungen einbringen.

Um unser Anliegen deutlich zu machen, gingen wir mit unseren Festen auch in die jeweiligen Stadtteile. Als wir beispielsweise den Wiederaufbau des Saarbrücker Schlosses thematisierten, verlagerten wir einen Teil des Festes auf den Platz vor dem Schloss.“ Als Ergebnis dieser Veranstaltung kann sich das Bürgerforum auf seine Fahnen schreiben, nicht unerheblich daran mitgewirkt zu haben, dass statt einer Rekonstruktion im Stengel’schen Stil der namhafte Kölner Architekt Gottfried Böhm den Mittelrisalit des Schlosses gestaltete. Eine wegweisende städtebauliche Note.

Als das Bürgerforum auf die Sanierungsbedürftigkeit des Nauwieser Viertels hinwies, wurde in den kleinen Gässchen rund um „die Nauwies“ gefeiert. „Unser Thema war damals ‚Grau raus, grün rein‘. Hierfür hatten wir über 500 Birkenbäumchen vom Stadt-Forstamt organisiert, die wir an jedes Straßenschild, an jede Straßenecke, vor jede Kneipe, an jede Regenrinne banden. Plötzlich war die Nauwies eine grüne Oase. Viele Hausbesitzer, aber auch das Stadtplanungsamt, haben sich davon animieren lassen und anschließend Hausfassaden und Hinterhöfe sowie Straßenränder und öffentliche Plätze begrünt. Auch das war ein Erfolg unserer Fest-Kultur“.

Mit seiner Schwerpunktsetzung hat das Saarbrücker Bürgerforum Probleme aufgegriffen, die die Politik häufig erst später auf ihrer Agenda hatte. Zum großen Knall kam es 1988, als das Bürgerforum das Festthema „Neue Armut“ vorschlug. Der Kulturdezernent Rainer Silkenbeumer sträubte sich. „Armut passt nicht zum Feiern, sagte man uns“, erzählt Ulrike Donié, seit 1984 Vorsitzende des Saarbrücker Bürgerforums. „Statt auf die wachsende Armut in Stadt und Land aufmerksam zu machen, wollte die Stadt Saarbrücken lieber auf die deutsch-französische Freundschaft anstoßen. Für uns war damit ein politisches Grundanliegen ausgeblendet. Wir sagten: ‚Dann lassen wir das Fest ausfallen.‘ Die Stadtverwaltung entgegnete: ‚Das geht nicht. Von dem Fest hängt zu viel ab. Das Fest ist mittlerweile ein Wirtschaftsfaktor für unsere Stadt‘. Daraufhin stiegen wir als Bürgerforum aus der Planung des Altstadtfestes aus.“ Das Kulturamt unter der Führung von Walter Pitz kümmerte sich fortan alleine um Programm und Gestaltung des Festes. Einzige Ausnahme: Das 25-jährige Jubiläum des Festes im Jahr 2000. Das Bürgerforum beteiligte sich an der Umsetzung des Themenschwerpunktes „Wasser“ mit Tischgesprächen, mit Themenständen und mit künstlerischen Beiträgen, wie beispielsweise „Aqua-Planing“, Kabarett mit Jürgen Albers, im Innenhof der Stadtgalerie. Wobei schon damals über die Privatisierung der Wasserrechte diskutiert wurde.

Die Zäsur im Jahr 1988 führte dazu, dass das Kulturamt den kulturellen Aspekt des Altstadtfestes stärkte. Neben den beiden großen Bühnen auf dem St. Johanner Markt und vor dem Staatstheater entwickelten sich die Innenhöfe rund um den Marktplatz, besonders jedoch der Innenhof der Stadtgalerie, zu Anziehungspunkten für Künstler. „Wir hatten immer mehr Anfragen von Künstlern als wir engagieren konnten“, erzählt Walter Pitz, der bis 2007 das Programm des Altstadtfestes plante. „Die Bürger waren damals fast ausgehungert nach Kleinkunst. Und offen für alles. Ich habe mal einen Anwohner des St. Johanner Marktes gefragt, ob sich eine Band in seiner Wohnung für ihren Auftritt umziehen könne. Er sagte spontan ja. Als dann eine 24-köpfige Tanzformation vor seiner Wohnungstür stand, schluckte er zwar, ließ die Tänzer aber rein.“

Dieses Gefühl des „Miteinander und Füreinander“ nahm im Laufe der Jahre ab. Vielleicht lag es auch an der zunehmenden, vom Bürgerforum immer bekämpften Kommerzialisierung des Festes. Die Brauereien und die Fleischwarenverkäufer prägten verstärkt die Wahrnehmung des Altstadtfestes, politische Anliegen traten in den Hintergrund. Beschwerden der Anwohner wegen des Lärms, der langen Sperrung des Marktplatzes für den Auf- und Abbau nahmen zu. 2007 trat Norbert Küntzer an die Stelle von Walter Pitz. Küntzer, von Haus aus selbst Rockmusiker und jahrelang zuständig für das Rockbüro der Stadt Saarbrücken, legte fortan den Schwerpunkt auf ein anspruchsvolles Kulturprogramm mit Blick auf ein jüngeres Publikum. „Mittlerweile kann ich sagen, dass viele deutschlandweit bekannte Bands das Saarbrücker Altstadtfest wieder ‚on the Map‘ haben. Uns ist es gelungen, so bekannte Showgrößen wie Stefanie Heinzmann, Karpatenhund, Polarkreis 18 oder Jan Josef Liefers & Band nach Saarbrücken zu locken. Das Altstadtfest soll zwar auch noch Inhalte vermitteln, aber die Besucher nicht überfordern“, sagt Küntzer. „Es soll ein Fest zum Genießen sein. Musik und Kultur draußen und umsonst – das ist unser Motto. Es soll dem Menschen Kultur näher bringen.“

Als einen wahren Ritterschlag empfand Küntzer die Zusage der Band „Knorkator“ vor einigen Jahren. „‚Wir spielen nicht auf Altstadtfesten‘, sagte man mir, als ich die Band anfragte. Zu diesem Zeitpunkt saß die Managerin gerade mit den Jungs von ‚The Boss Hoss‘ zusammen. Beide waren im Jahr davor auf dem Halberg Open-Air gewesen und waren abends übers Altstadtfest geschlendert. Sie sagten der Managerin: ‚Dort könnt ihr spielen‘, was letztendlich zur Zusage der Band führte. „Die Wahl von Knorkator, die immerhin schon auf dem Festival in Wacken gespielt hatten, war ein wahres Highlight der Altstadtfest- Geschichte“, meint Küntzer.

Auch die 39. Auflage des Saarbrücker Altstadtfestes wird sicherlich wieder viele Menschen nach Saarbrücken locken. Das Programm wird dabei einige Neuerungen enthalten, bei denen Alt und Jung auf ihre Kosten kommen werden.  

 

Umweltmagazin Saar 3/2013  

 

 Urban Gardening

 Vom Ackern in der Stadt

 

Eine Idee grünt um die Welt. Nun ist sie endlich auch in Saarbrücken angekommen – „Urban Gardening“ – das Gärtnern in der Öffentlichkeit, auf verlassenen Brachen, verwilderten Plätzen und in stillen Ecken mitten in der Stadt. Mit Gemüsepflanzen, Kräutern und  Blumen (und mit viel Freude und Spaß) erobert eine Gruppe seit dem Frühjahr Freiflächen, die zuvor sich selbst überlassen waren. Es wird gerodet, gehackt, gebuddelt, gepflanzt und gehegt – und mit den Pflanzen, die sich sichtlich wohlfühlen in ihrem neuen  Zuhause, wächst auch die Gemeinschaft der Saarbrücker „Urban Gardeners“.

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 Anfänge der essbaren Stadt

Saarbrücken: Gärtnern in der Nähe des Echelmeyerparks.

So bunt wie die Beete sind auch die Beweggründe, aus denen Einzelne sich dieser Initiative anschließen: eigene und gesunde! Nahrungsmittel ernten, einen wesentlichen Schritt in die Unabhängigkeit gehen, das Wort „Gemeinschaft“ mit Leben füllen, ein politisches Statement gegen Großkonzerne und die Konsumgesellschaft abgeben … der Begriff „Graswurzelrevolution“, den in den 70er-Jahren die Ökobewegung prägte, erfährt hier eine zeitgemäße Weiterentwicklung bei der Neudefinition vom Leben in der Stadt. „Neu“ ist die Idee, Lebensmittel gleich dort anzubauen, wo sie gebraucht werden, nicht. Bereits in der Antike wurde innerhalb der Stadtmauern möglichst viel Platz stets zum Anbau von Nahrungspflanzen genutzt. Reichtum zeigte sich z.B. im alten Rom unter anderem dadurch, dass im Hausgarten auch Pflanzen wuchsen, die „allein“ der Zierde dienten – doch zu jeder römischen Stadtvilla gehörte ein großer Küchengarten. Und wer immer ein Stückchen Erde nutzen konnte, baute darauf Obst und Gemüse an. Im 19. Jahrhundert entstanden dann in Deutschland die ersten Schrebergärten, in denen, mitten in oder am Rande der Stadt, in großen Gemeinschaftsanlagen die eigenen Nahrungsmittel auf kleinen Parzellen angebaut werden.

Bereits zu Beginn der 70er-Jahre entwickelten sich in New York die Anfänge des heutigen Urbanen Gärtnerns. Auf Brachen, Balkonen und Dächern, in Hinterhöfen und zwischen Hochhäusern entstanden „Community-Gardens“. Gemüse und Zierpflanzen hielten Einzug in den Betonwüsten und dienten als „Kristallisationspunkt“ für Gemeinschaften, die dem Hunger, der Fehlernährung und der Perspektivlosigkeit in den ärmeren Stadtteilen neue Modelle des selbstbestimmten Lebens entgegen -“pflanzten“. Politisch und ökologisch Aktive sowie viele KünstlerInnen beteiligten sich und trugen diese Idee in „hippere“ Wohngegenden und in den Rest des Landes.

Die Zielsetzung aller Initiativen war und ist es immer, ohne kommerziellen Hintergrund in einer möglichst vielfältigen Gemeinschaft zu wirken. Zudem ist ein urbaner Garten auch die Basis, um „ein Stück“ Natur in der Stadt wieder zu beleben und – das Ziel vieler Projekte – Kindern diese Lebensgrundlagen nicht nur zu vermitteln, sondern sie dafür zu begeistern und daran teilhaben zu lassen.  

Satt sein! Gesund sein! Unabhängig sein! Diese drei Grundbedürfnisse sind weltweit der Antrieb für die unterschiedlichsten Formen des Urban Gardenings. Auf Kuba z.B., führte der Mangel an Lebensmitteln zur Förderung durch den Staat und dadurch zur Blüte des Urban Gardenings. In Detroit waren es der Zusammenbruch der Autoindustrie und die darauf folgende Verarmung, die es zu einer Selbstverständlichkeit werden ließen, dass ein Großteil der Bevölkerung sich heute auf diese Weise selbst versorgt. Urban Gardening ist die Antwort unserer Zeit auf existentiellen Hunger und auf alltägliche, ermüdende Eintönigkeit sowie auf eine große Sehnsucht nach dem Eigenen. Denn eigene Nahrungsmittel anbauen zu können, gibt uns mehr als einen vollen Bauch. Sind wir in Not, schenkt uns dies unsere Würde zurück. Wollen wir eine Alternative zu blindem Konsum und dumpfer Abhängigkeit schaffen, hat es dieselbe Wirkung.

Vor allem in den „reichen“ Industrienationen – in denen sich die wachsende Armut meist noch im Schatten der Konsumtempel verbergen lässt – ist eher die Sehnsucht nach Rückanbindung an die Natur und nach unbelasteter Nahrung, nach Selbstbestimmung und Sinnfindung der Boden, auf dem die Urban Gardening - Bewegung gedeiht. In fast allen deutschen Städten gibt es mittlerweile zahlreiche Projekte mit den unterschiedlichsten Ansätzen. Oft waren die Guerilla-Gardeners mit ihren nächtlichen „wilden“ Pflanz - und Saatbombenaktionen die Pioniere für neue Stadtgartenideen. In interkulturellen Gärten, Gemeinschafts- und Nachbarschaftsgärten, Stadtteilgärten und Stadtbauernhöfen erobern und schaffen sich nun die Menschen Raum zur Selbstversorgung, für eigene Ideen und zum ökologischen Handeln. Vielerorts unterstützen sogar Stiftungen diese Initiativen mit Wissen und Geld. Selbst eine „Essbare Stadt“ gibt es schon – in Andernach werden fast alle öffentlichen Grünflächen von der Stadtverwaltung mit Gemüse, Kräutern und Obst bepflanzt – das Ernten ist allen erlaubt; Einsparungen in der Stadtkasse sind die Folge …

Die Vielzahl der kleinen und großen so bepflanzten Flächen gibt auch der Natur in der Stadt wieder ganz neue Chancen zum nachhaltigen Gedeihen. Biologischer Gartenbau mit intensiver Bodenpflege und ohne schädliche Pflanzenschutzmittel ist einer der Grundsätze des Urban Gardenings. Ebenso die Schaffung einer großen Artenvielfalt und der Erhalt alter Gemüse- und Obstsorten. All` dies – sowie auch die Zunahme der Stadtimkerei in diesen Initiativen - sind die idealen Voraussetzungen dafür, dass kleine, in sich stabile Oasen für Insekten, Kleintiere und einige heimische Wildpflanzen entstehen und sich vernetzen können. Zudem ist der positive Einfluss von vielen (auch noch so kleinen) Grünflächen auf das Stadtklima nicht zu unterschätzen!

Wachen wir auf aus der romantischen Träumerei, dass es in unserem Land noch „unberührte Natur“ gibt, so ist dies schmerzhaft – macht uns aber auch die Verantwortung, die wir für das Leben auf unserem Planeten haben, und die Notwendigkeit zum ökologisch orientierten Handeln in unserem direkten Umfeld bewusst. Statt zur „Graswurzelrevolution“ sind wir heute wohl eher zur „Bodenrevolution“ aufgefordert. Zur Wiederbelebung unserer wichtigsten Lebensgrundlage, die unter Pflaster, Beton und Asphalt begraben wird, die durch die Agrarindustrie, den „Gewinn“ von Bodenschätzen und den unverfrorenen Umgang mit Giftstoffen Tag für Tag ein Stück mehr geschunden und zerstört wird. Es lebe die Stadtnatur! Platz dafür ist überall. „Widerstand ist fruchtbar“ ist kein Aufruf zur Vandalenschlacht, vielmehr der Slogan für die “neue Lust am Gärtnern“ und für neue, bereichernde und befriedigende! Formen des Zusammenwirkens. Das Leben in einem Garten – und sei er auch noch so klein – ist der Ursprung einer stärkenden und heilsamen Beziehung zwischen unserer Seele und der Welt. Um ein Beet (oder gleich einen ganzen Garten) bewirtschaften zu können, braucht es die Neugierde auf Bedürfnisse, Gegebenheiten und Zusammenhänge. Es braucht die Bereitschaft, sich langfristig an eine „Aufgabe“ zu binden, es braucht die Lust am endlosen Lernen und darauf, Verantwortung zu leben. Das Gärtnern ist eine der kreativsten und auch kommunikativsten Tätigkeiten, die es gibt – welche Pflanze wann wie wohin und mit wem … tausend Möglichkeiten, tausend Tipps aus der Nachbarschaft … wo sonst gibt es heute noch so viel „Spiel“- raum?!

Es gibt wenige Projekte, die das Glück haben, ein „Stück“ vom begehrten und teuren Stadtland zur dauerhaften Nutzung zu „besitzen“. Hier kann die „Scholle“ langfristig und nachhaltig „beackert“ werden. Allerdings besteht gerade in der Stadt oft das Problem der Altlasten. Giftstoffe im Boden machen eine Grundsanierung teuer, wenn nicht sogar unbezahlbar und der Anbau von Lebensmitteln empfiehlt sich dort keinesfalls. Doch gerade hier – und auf Flächen, die nur vorübergehend „geliehen“ werden – zeigt sich der Ideenreichtum der Urban Gardeners. An pfiffigen Ideen mangelt es nicht. In dem Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg, dem bekanntesten Urban Garden in Deutschland, ist zu erleben, wie prächtig Kohlrabi, Salat und Co. z.B. in alten Bäckerkisten und Reissäcken (mit denen es sich ganz einfach weiterziehen lässt) gedeihen – und wie wunderbar das Stadtgemüse dann auch noch schmeckt. Hier wird genau das gelebt, was Soziologen mittlerweile mit Spannung verfolgen. Denn aus ihrer Sicht sind urbane Gärten ein Versuchsfeld für die Städte der Zukunft. Sie geben Raum für Nahrung, sinnvolle Arbeit, Teilhabe, Kommunikation, Selbstbestimmung, Naturerleben und Gesundheit. Die erforderliche Neudefinition von Wohlstand findet hier einen Sinn. Zudem bietet ein solcher Garten die Chance auf bereicherndes interkulturelles Zusammenwirken. Die „Postwachstumsgesellschaft“ kann hier neue Wurzeln schlagen.

Letztendlich ist es immer der Genuss, der uns unvergessen bleibt. Und es gibt wirklich nichts Köstlicheres, als ein frisch geerntetes Gemüse oder frisch gepflücktes Obst, ganz gleich, wo das Stadtgewächs, das uns diese Ernte schenkt, Wurzeln schlagen durfte – ob im „Kiezgarten“, auf dem Balkon oder im Kübel vor dem Hauseingang. Guten Appetit!

 

Eva-Marie Ratius, MagMell  

 

Offener Brief

Höchste Zeit für neue Ideen zur Stadtmitte am Fluss
Die Saarbrücker Initiative Südumfahrung fordert neues Nachdenken

Spätestens nach dem vernichtenden Bericht des Landesrechnungshofes zum
Tunnel ist endgültig klar: Das technisch unverhältnismäßig aufwändige
Mammutprojekt ist schon aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren.
Die Initiative Südumgehung (ISU) engagiert sich sehr für ein attraktiveres
Saarbrücken. Die Landeshauptstadt hat im Vergleich zu Metz, Nancy und
Luxemburg erheblichen Nachholbedarf. Der geplante Autobahntunnel, der von
den verantwortlichen Planern und etlichen Kommunalpolitikern trotz aller
objektiven Ausschlussgründe noch immer favorisiert wird, ist aus unserer Sicht
jedoch eindeutig der falsche Weg zum richtigen Ziel.
Wegen der extrem hohen Kosten und der relativ geringen positiven Effekte
fragen wir uns, warum sich die Stadt noch immer nicht um eine neue Lösung
bemüht. Dabei ist es höchste Zeit für eine Alternative zur Tunnellösung.
Unser Appell an die politisch Verantwortlichen: Organisieren Sie einen neuen
Ideenwettbewerb unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Schaffen Sie
keine neuen Fakten – etwa durch den Verkauf des Messegeländes, das als
Anschluss für eine mögliche Südumfahrung benötig würde. Legen Sie alle
Planungsunterlagen offen.
Anstelle eines Tunnels, der die Stadt nicht attraktiver macht, sollte der gesamte
Bereich zwischen Ost- und Westspange neu gestaltet werden. Ein Rückbau der
Autobahn auf diesem Abschnitt würde für tausende von Bürgern nicht nur den
Lärm drastisch vermindern, sondern auch eine attraktive Gestaltung entlang
der Saar ermöglichen. Dies funktioniert aber nur, wenn eine Alternative zum
Tunnel entwickelt wird.
Die ISU plädiert deshalb für die Südumfahrung.
Die Alternative zur Tunnellösung hat mehrere Vorteile
 Der Verkehr kann während der gesamten Bauphase ungehindert über die
Stadtautobahn fließen, sodass keine zusätzliche Belastung der Innenstadt
entsteht.
 Die Baustellen bei der Variante Südumfahrung haben relativ wenige
Anwohner. Die Belästigungen in der Bauphase wären deshalb im
Vergleich zu den derzeitigen Plänen deutlich geringer.
 Die Verlegung des Durchgangsverkehrs auf eine nach Süden
verschwenkte A 620 würde schon im ersten Schritt eine deutliche
Entlastung der Stadtautobahn bringen. Positiver Nebeneffekt: Bei
Hochwasser auf der A 620 kann der quälende Stopp-an-Go-Verkehr durch
die Innenstadt merklich vermindert werden.
 An Ende steht der Rückbau der Stadtautobahn zwischen West- und
Ostspange für eine wirklich attraktive Stadt am Fluss.
Deshalb: Weitsicht statt Tunnelblick
Für die Initiative Südumgehung (ISU): Walter Delarber, Wolfgang Grimm,
Norbert Mendgen, Friedrich von Oppeln, Wilfried Voigt, Reinhard Wilhelm
Kontakt:
Initiative Südumfahrung (ISU), Robert-Koch-Straße 9, 66119 Saarbrücken
Email: info@suedumgehung-sb.de

 

SZ v.13.6.13

v. Fabian Bosse

„Manche Kinder denken: Kühe sind lila“

Bei einem Vortrag über Urban Gardening suchten Laiengärtner Hilfe für einen Mitmachgarten Saarbrückens Grünamtschefin Carmen Dams über die Bedeutung von Schulgärten und Guerilla-Gärtnern

Saarbrückens Grünamtschefin Carmen Dams ist eine Expertin für Gärten mitten in der Stadt. Über militantes Gärtnern und den Verlust von Wissen, wie die Natur funktioniert, sprach sie mit SZ-Redakteur Fabian Bosse.Wenn sich an einem Dienstagabend über 60 Stadtmenschen in einen kleinen Raum zwängen, um etwas über das Gärtnern zu hören, dann muss etwas dran sein am Hype ums sogenannte Urban Gardening.

SZ: Landwirtschaft und Stadtleben: Schließen sich diese beiden Begriffe nicht von selbst aus?

Carmen Dams: Ja, normalerweise schon. Landwirtschaft ist ja normalerweise auf langfristige Erträge angelegt. Das heißt für den Menschen: die Natur beobachten, sehr konsequent sein und kontinuierlich den Boden bearbeiten. Spontaneität hilft da gar nicht weiter. Um in der Landwirtschaft einen Ertrag zu erzielen, muss man ganz anders arbeiten, als es Städter gewohnt sind. Das schnelle Hin-und-her-switchen zwischen unterschiedlichen Situationen, wie es die Menschen in der Stadt gewohnt sind, ist nicht die Art und Weise, wie in der Landwirtschaft gearbeitet wird.

Und was ist mit dem spontanen städtischen Gärtnern, dem Urban Gardening?

Carmen Dams: In Saarbrücken gibt so etwas wie „Guerilla Gardening“. Im Nauwieser Viertel hatten wir ein paar Baumscheiben, die schön bepflanzt waren. Allerdings ist das nicht sehr konsequent gemacht worden. Wenn man die Natur nicht konsequent behandelt, nicht jeden Tag wässert, nicht jede Woche Unkraut zupft, dann vergeht das Grün. Pflanzen sind Lebewesen, die der Konkurrenz, dem Darwinismus, unterliegen. Sie haben entweder Ellbogen, oder sie sind Sensibelchen, die man vor Ellenbogen beschützen muss. In der Natur gilt das Recht des Stärkeren. Und Blumen sind oft die Sensibelchen, die, wenn der Mensch sie irgendwo einbringt, päppeln muss. Sonst wächst nur Unkraut, denn das hat Ellenbogen. Dieses Wissen haben Studenten, die das gemacht haben, nicht. Sie glauben, sie gehen in die Gärtnerei, kaufen sich was und setzen was ein. Nach ein paar Wochen wundern sie sich, dass die Pracht wieder weg ist.

Kann man auf Brachflächen und Industrieruinen, wie am Kieselhumes oder am Osthafen, einfach Gärten anlegen, bis eine neue Nutzung vorgesehen ist?

Carmen Dams: Wenn Ihnen die Flächen gehören oder Sie es schaffen, diese zu pachten, können Sie das tun. In Berlin haben ja zwei pfiffige Leute eine Brachfläche gepachtet (Anmerk. der Redaktion: Prinzessinnengarten) und haben ihren Kistengarten draufgesetzt. In Berlin ist natürlich der Nutzungsdruck wesentlich größer. Da war der Boden zudem kontaminiert, daher mussten sie die Lösung mit den Kisten finden. Man konnte ja nicht in den Boden pflanzen. Sonst hätte man die Schadstoffe in den Produkten gehabt. Das könnte in Saarbrücken auch passieren. Die Flächen müssten erst einmal saniert werden, damit sie neu genutzt werden könnten. Deshalb rate ich eigentlich davon ab, auf Industriebrachen zu gärtnern, weil man nicht weiß, was im Boden drin ist. Und man kann den Leuten nicht zumuten, dass sie unter Umständen Gift essen.

Warum bauen nicht mehr einkommensschwache Menschen Gemüse und Obst an?

Carmen Dams: Der eine Grund ist, dass Obst und Gemüse so billig sind. Solange man bei Aldi für 29 Cent den Salat kaufen kann, wird man sich den Buckel nicht dafür krumm machen. Ein anderer Grund ist das verloren gegangene Wissen. Es gibt Kinder in Städten, die glauben, dass Kühe lila sind. Sie wissen nicht, wie die Natur funktioniert. Dass man Samen in die Erde einbringen kann und dann was daraus erwächst.

In den Schulen lernen wir es leider auch nur noch selten. Die Lehrpläne sind vollgestopft mit allem Möglichen, aber Schulgärten gibt es an den wenigsten Schulen. Das hängt teilweise an den Lehrern. Wenn es interessierte Lehrer sind, dann legen die mit ihren Schülern im Biounterricht einen Schulgarten an. Und wenn der Fokus bei Lehrern fehlt, dann gibt es eben keinen Schulgarten.

Das Grünamt ist ja auch verantwortlich für die Schulhöfe. Ab und an gibt es mal eine Schule, die sagt „Wir wollen einen Schulgarten anlegen, könnt ihr uns helfen?“ Dann machen wir das auch. Aber nach ein paar Jahren liegen die Flächen wieder brach, zum Beispiel weil die verantwortlichen Lehrer nicht mehr an der Schule sind. Dann ebnen wir ein und säen Rasen an.

Wo gärtnert die Grünamtschefin?

Carmen Dams: Ich habe meinen Garten in Altenkessel. Das macht großen Spaß. Ich habe zum Beispiel im letzten Jahr ganz viele Kartoffeln geerntet. Sorte Linda! Eine Sorte, die übrigens aussterben sollte, weil die Agrarindustrie ihr Patent darauf hatte. Ich habe sogar eine Artischocke geerntet. Ich habe Auberginen, Tomaten, Wirsing, Rotkohl, Rosenkohl, Karotten. Im Sommer muss ich kein Gemüse zukaufen. So lebe ich nach den Jahreszeiten. Im Frühling gibt es keine Erdbeeren und auch kein Kraut. Dafür gibt es Spinat und Salate. Und auch Tomaten gibt es erst, wenn die Zeit dafür reif ist. Saarbrücken. Ins Nauwieser Viertel hatten das Saarbrücker Bürgerforum, der Kultur- und Werkhof Nauwieser 19 und der BUND die Gärtnerin Eva-Marie Ratius eingeladen. Ratius sprach über die Nutzpflanzerei auf Balkonen und städtischen Brachen. Mehrere Besucher nutzten den Abend, um Unterstützung für ihre Gartenprojekte mitten in Saarbrücken zu finden. Im Gegensatz zum Schrebergarten, der in einem abgeschlossenen privaten Raum liegt, findet Urban Gardening mitten im öffentlichen Raum statt. Unter den Besuchern war auch die Gruppe „Essbare Stadt“. Die hat am Staden auf knapp zwei Quadratmetern „wild“ einen Mitmachgarten angelegt. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben etwa 30 Mitstreiter. In den nächsten Wochen wolle man sich mit Vertretern von Kirchen und Stadt treffen, um Orte in der Stadt zu finden, auf denen Gemüse und Früchte angebaut werden könnten. Dem Enthusiasmus der Zuhörer setzte die Gartenexpertin Eva-Marie Ratius aber entgegen, dass ein Garten, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, mehrere Faktoren voraussetze. So brauche er jahrelange Geduld, regelmäßig Zeit, geeignete Plätze, er koste Geld und besonders „regelmäßige Erntedankfeste“. Die würden eine Gruppe, besonders nach Niederlagen, erst zusammenschweißen. fab

 

SZ v. 2013-06-06

Buddeln, gießen und ernten Saarbrücker bald auch in der Stadt?

Saarbrücken. Sich in Hinterhöfen und Balkonen grüne Rückzugsorte in der Stadt zu schaffen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Seit ein paar Jahren ist das angestaubte Schrebergarten-Image des städtischen Gärtnerns aber wieder en vogue. Unter dem Schlagwort „Urban Gardening“ pflanzen, gießen und ernten die jungen Städter überall dort, wo sich Platz zwischen dem Betongrau findet. Über diesen Trend handelt ein Vortrag der Gartenberaterin Eva-Marie Ratius, den das Bürgerforum, der Kultur- & Werkhof Nauwieser 19 und der Bund Saarbrücken gemeinsam am Dienstag, 11. Juni, 20 Uhr im N.N. Nauwieser Neunzehn (Nauwieser Straße 19) in Saarbrücken organisiert haben. Unter dem Titel: „Gärtnern in der Stadt – Nutzpflanzerei auf Balkon und Brache“ geht es um die Geschichte der städtischen Gartenbewegung. Das Beispiel eines Urban-Gardening-Projektes in Berlin soll zeigen, was Voraussetzungen für Urban Gardening sind. In einer Diskussion sollen dann Ideen für das urbane Gärtnern in Saarbrücken entwickelt werden. fab

    

SZ v. 13.2.2013

Initiative macht mobil gegen Südumfahrung Bewohner des Deutschmühlentales fürchten Autobahnlärm

Die „Anti-Lärm-Initiative der Anrainer des Deutschmühlentals“ lädt Befürworter der Südumfahrung ein, „einmal einen Sommertag auf einem unserer – im reinen Wohngebiet liegenden – Balkone zu verbringen“.

Von SZ-Redakteur

Martin Rolshausen

Saarbrücken. Ralf Ecker will denen, die sich Gedanken um eine Alternative zum Stadtautobahn-Tunnel machen, nichts Böses unterstellen. Das Saarbrücker Bürgerforum und die Initiative Südumfahrung (ISU) haben die Menschen, die im Deutschmühlental wohnen, also dort, wo die neue Straße durch soll, wohl einfach übersehen, vermutet Ecker.

Er ist Sprecher der „Anti-Lärm-Initiative der Anrainer des Deutschmühlentals“ und weiß, dass die Menschen, deren Häuser hinter Bäumen stehen, schnell aus dem Blick geraten. Gegründet wurde die Initiative, als am Deutsch-Französischen Garten die Spielbank und das Hotel gebaut wurden. Nun macht die Initiative mobil gegen die Idee, die Frankreichautobahn von der Goldenen Bremm her mit der Stadtautobahn auf Höhe des Messegeländes zu verbinden. Eine Südumfahrung ist aus Sicht der Anwohner „absolut inakzeptabel“. Mit einer „ruhigen Wohnlage im Grünen“ sei vor vier Jahrzehnten im Deutschmühlental geworben worden. Die Bauherren seien bereit gewesen, für diesen Traum relativ hohe Grundstückspreise zu zahlen, sagt Ecker. So seien das Wohngebiet Dr.-Eckener-Straße und das sogenannte Fliegerviertel entstanden. Inzwischen sei das Deutschmühlental aber nicht mehr so ruhig wie versprochen. Es sei zu „einer vielfältigen Lärmquelle geworden“, sagt Ecker. Der Lärm, der von den Spielbank- und Hotelbaustellen ausging, sei jetzt zwar weg. Aber selbst nachts rausche Schwerlastverkehr über die Landesstraße 273 durchs Tal. Auch die dem Deutschmühlental zugewandten Wohngebiete auf der Folsterhöhe und das Wohngebiet am Drahtzugweiher und Habsterdick seien davon betroffen. Das Tal wirke dabei für die umliegenden Wohnlagen wie ein „Schalltrichter“.

Seine Initiative lade die Befürworter der Südumfahrung ein, „einmal einen Sommertag auf einem unserer – im reinen Wohngebiet liegenden – Balkone oder Terrassen zu verbringen“. Dann werde schnell klar, dass eine Südumfahrung keine Alternative zu einem Autobahntunnel sei.

SZ v. 11.2.2012

Tunnel

Lieber ein Ende mit Schrecken

Zum Artikel „Die CDU steht zum Stadtmitte-Tunnel“, SZ vom 29./30. Dezember: Die von Herrn Strobel, Stadtverordneter der CDU, als ausgewiesenem Geschäftsmann abgegebene „Milchmädchenrechnung“ hat mich noch mehr erstaunt, als das weitere Festhalten an dem Tunnelbau in Saarbrücken. Ein Land, das über 100 Milliarden, und eine Stadt,die über eine Milliarde Schulden hat, noch weiter in die Verschuldung zubringen, ist und bleibt unverantwortlich. Bauliche Dienstleistungen werden gewöhnlich nicht in Raten gezahlt, sondern sind je nach Baufortschritt zu begleichen. Das bedeutet doch, dass von Land und Stadt Kredite aufgenommen werden sollen (zusätzliche Kosten), um sie in einem Zeitraum von 20 Jahren, wie Strobel vorschlägt, abzubezahlen. Obwohl die Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land für die „Stadtmitte am Fluss“ bereits auf 372 Millionen festgelegt ist, versucht Herr Strobel, jetzt auch noch die Kosten auf 320Millionen herunterzurechnen und bezieht in diese Summe sogar noch die Messe (40 Millionen) und ein neues Stadion (mit 25 Millionen) ein. Eine aus meiner Sicht absurde Finanz-Planung.

Die ungeklärte „Grundwasserführung“ beim Bau des Tunnels unter Saar-Niveau und deren Folgekosten sind noch nicht offengelegt, deuten aber bereits auf programmierte Kostensteigerungen und Folgekosten eindeutig hin.

Wenn der Oberbürgermeisterin von Herrn Strobel vorgeworfen wird, ihre Aussagen über den Tunnel seien „mutlos“, und die Verschiebung der Tunnelentscheidung auf 2015 sei wie ein „Abschied auf Raten“, muss man mit einem bekannten Sprichwort antworten: „Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Lothar Karst, Saarbrücken

Autobahn ist Verteilerstraße

Zum gleichen Thema: Was versprechen sich eigentlich die Befürworter einer Südumfahrung anstelle des Tunnels? Sie nehmen einfach nicht zur Kenntnis, dass die Stadtautobahn zur innerstädtischen Verteilerstraße mutiert ist. Gerade mal zwölf Prozent der 95 000 Kfz-Bewegungen, also etwa 14 000 Kfz fahren über die Stadtgrenzen hinaus, sind also echter Durchgangsverkehr. Der Rest von über 80 000 Kfz/Tag ist Innenstadtverkehr.

Fahren Sie mal von den Stadtgrenzen Altenkessel oder Scheidt über die nur einspurigen Stadtstraßen ins Zentrum! In West-Ost-Richtung haben sie 16 Ampeln bis zum Bahnhof, in Ost-West Richtung sind es gar 19. Also nutzt man lieber die überlastete Autobahn, die dann immer noch schneller ist als über städtische Straßen. Einzig wirkliche Entlastung wäre die im Generalverkehrsplan (Dr. Schubert) 1976 vom Stadtrat beschlossene Nordtangente, reduziert auf eine Nordumfahrung. Die ist aber durch eine kleinkarierte und ideologische Verkehrspolitik sowohl am Bahnhofsvorplatz als auch durch die Bebauung Euro-Bahnhof leider unmöglich gemacht, zumindest zu vertretbaren Kosten!

Der eigentliche Skandal aber ist, dass auch nach über zehn Jahren Planung an der „Stadtmitte am Fluss“ immer noch kein neuer Generalverkehrsplan vorliegt. Hermann Rehse, Saarbrücken .

SZ v. 25.01.13

Ruf nach Südumfahrung wird lauter

Zwei Bürgergruppen fordern Alternative zum Tunnel

Saarbrücken soll sich nicht länger auf die Planung eines Tunnels konzentrieren, sondern die Südumfahrung durchs Deutschmühlental planen, fordern zwei Initiativen. Die Stadt denkt offenbar nicht daran.

Von SZ-Redakteur

Martin Rolshausen

Saarbrücken. Wenn die Führungskräfte in der Stadtverwaltung und die Saarbrücker Kommunalpolitiker die Stadtmitte am Fluss attraktiver gestalten wollen, dann müssen sie sich von der Idee, die Stadtautobahn in einem Tunnel verschwinden zu lassen, verabschieden und stattdessen schnell mit der Planung einer Südumfahrung beginnen. Das hat das Saarbrücker Bürgerforum kurz vor Weihnachten gefordert. Ein Tunnel wäre schön, aber er sei weder finanzierbar noch in der Bevölkerung mehrheitsfähig, also dürfe man keine Zeit verlieren und müsse sich der Alternative widmen, argumentierte die Bürgergruppe, die sich seit über drei Jahrzehnten immer wieder in Sachen Stadtentwicklung engagiert.

Es folgte Schweigen. Lediglich die CDU-Stadtratsfraktion reagierte, bekundete ihre Sympathie für die Südumfahrung durchs Deutschmühlental, allerdings nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zum Tunnel. Von der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit keine Reaktion, von der Stadtverwaltung bisher auch nicht.

Nun hat eine zweite Bürgergruppe, die Initiative Südumfahrung (ISU), Politik und Verwaltung aufgefordert, sie solle die Zeit, für die die Tunnelentscheidung auf Eis gelegt ist (also bis 2015), „endlich für eine ernsthafte Prüfung der Alternative Südumgehung nutzen“. Der ISU gehören unter anderem der Diplom-Ingenieur Norbert Mendgen von der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft, der ehemalige Amtsleiter für Bauaufsicht, Planung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Regionalverband, Walter Delarber, und der Journalist und Buchautor Wilfried Voigt an.

Die ISU fordert die Stadt nun auf, das nicht mehr benötigte Messegelände nicht zu verkaufen, weil es für den Anschluss der Südumfahrung an die Autobahn gebraucht werde. Außerdem soll die Stadt „umgehend alle Planungsunterlagen zu dem Großprojekt Stadtmitte am Fluss zugänglich machen“. „Nur so wird Transparenz möglich“, sagt die ISU. Insbesondere die Verkehrszählungen interessieren die Initiative. Sie bezweifelt, dass die Messungen, wonach nur 20 Prozent des Verkehrs auf der Stadtautobahn Durchgangsverkehr sind, stimmen.

Die Zahlen seien „valide, sie wurden durch Verkehrszählungen und durch das Verkehrsmodell bestätigt“, teilte Stadtsprecher Robert Mertes gestern auf SZ-Anfrage mit. Was die Forderungen der ISU angehe, sagte er: „Grundsätzlich nehmen wir gerne Ideen und Anregungen aus der Bevölkerung und von Initiativen auf, um sie zu prüfen und in unsere Planungen einfließen zu lassen.“ Man habe mit der ISU für nächste Woche einen Gesprächstermin vereinbart. „Wir werden das Gespräch nutzen, um die Initiative über die umfassenden Voruntersuchungen der Stadtverwaltung und des Landesbetriebs für Straßenwesen zu informieren“, sagt Mertes.

Und die Forderung von ISU und Bürgerforum, das Messegelände nicht anzutasten, um die Alternative Südumfahrung nicht zu verbauen? Dazu sagt die Stadt: „Über die Zukunft des Messegeländes am Schanzenberg ist noch keine Entscheidung gefallen.“


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SZ vom 21.12.2012

Die Stadtmitte retten ohne Tunnel

Bürgerforum macht sich mit einer neuen Broschüre für eine Südumfahrung stark

Für den Tunnel gibt es keine Mehrheit in der Bevölkerung, glaubt das Saarbrücker Bürgerforum. Die Stadtmitte könne trotzdem attraktiver werden – mit einer Autobahn, die um die Stadt herumführt.
Von SZ-Redakteur
Martin Rolshausen

Saarbrücken. Das Saarbrücker Bürgerforum „schätzt Frau Wandel-Hoefer sehr“, sagt dessen Vorsitzende, Ulrike Donié. Es habe nie jemand Besseren an der Spitze des Baudezernats gegeben, als Rena Wandel-Hoefer, sagt Doniés Bürgerforum-Mitstreiter Dietmar Kolling. Gerade deshalb setze man darauf, dass die Baudezernentin sich vom Stadtautobahntunnel-Projekt verabschiede und neu nachdenkt – über eine Südumfahrung.

 

Die Südumfahrung soll die aus Frankreich kommende Autobahn von der Goldenen Bremm aus mit der der A 620 verbinden. Dazu müsste eine Autobahntrasse durchs Deutschmühlental gelegt werden, die am Messegelände auf die A 620 trifft. Über diese Autobahn könnte man den Verkehr leiten, der kein Ziel in der Innenstadt hat und die Stadtautobahn bisher nur als Durchfahrtstraße nutzt, argumentiert das Bürgerforum.

 

Die Stadtautobahn könnte dann zwischen Ost- und Westspange zum „Boulevard“ werden – also zu einer „normalen innerstädtischen Straße“. Dieses Verkehrsprojekt hat aus Sicht des Bürgerforums mehrere Vorteile: Für diese Autobahn sei alleine der Bund zuständig, die Frage der Finanzierung sei also nicht mehr Sache von Stadt und Land. Während der Tunnel den Verkehr nur zwischen Bismarck- und Luisenbrücke „verschwinden“ lassen würde, könne die Stadt mit Hilfe der Umfahrung auf der doppelten Länge entlastet werden.
Die Idee hat das Bürgerforum schon vor knapp zwei Jahren vorgetragen. Dass es die Idee nun mit Hilfe einer Broschüre intensiv bewerben will, habe vor allem einen Grund: Anders als beim ersten Vorstoß stehe nun das Messegelände, das nicht mehr genutzt werden soll, für die Autobahnanbindung zur Verfügung. Außerdem hat Diplom-Ingenieur Norbert Mendgen von der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) inzwischen ebenfalls dafür plädiert, eine Südumfahrung zu bauen.
Mendgen ist Mitglied der neuen Initiative „Südumgehung statt Tunnel“. Diese Initiative, der auch der ehemalige Amtsleiter für Bauaufsicht, Planung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Regionalverband, Walter Delarber, angehört, meldet sich „jetzt zu Wort, weil die Stadt kürzlich die Saarmesse erworben hat und dieses Gelände jetzt die einmalige Chance für unsere Alternative bietet“, heißt es auf deren Internetseite (http://suedumgehung-sb.de). Auch sei jetzt genug Zeit, die Alternative endlich ernsthaft zu diskutieren, weil die Tunnelentscheidung auf 2015 verschoben wurde.
Mit einer Südumgehung wäre Saarbrückens Verkehrsproblem allerdings nicht gelöst, warnt das Bürgerforum. Die Hälfte des Verkehrs, der zurzeit auf der Stadtautobahn fließt, sei kein Durchgangsverkehr. Immerhin noch fast 50 000 Autos müsse der „Boulevard“ dann verkraften. „Wir müssen nachdenken, wie wir in dieser Stadt leben, ohne uns zu vergiften und kaputtzumachen“, fordert Donié. Das bedeute: Der öffentliche Personennah- und der Radverkehr müssen weiter gestärkt, die Bedingungen für Fußgänger verbessert werden. So könne die Stadtmitte am Fluss attraktiv werden.
Die Broschüre gibt es für drei Euro plus Porto bei Ulrike Donié, Tel. (06 81) 4 78 21.
Meinung
Nachdenken lohnt sich
Von SZ-Redakteur
Martin Rolshausen
Bevor jetzt die Köpfe geschüttelt werden über die Idee mit der Südumfahrung und den Versuch des Bürgerforums, mit Hilfe einer Broschüre für sie zu werben: Diese Bürgergruppe hat schon einige Male bewiesen, dass sie mit ihren Ideen richtigliegt. Das Bürgerforum hat nicht nur das Altstadtfest initiiert, es hat einst die Umwandlung des St. Johanner Markts in eine Fußgängerzone vorangebracht und geholfen, den Abriss der Alten Brücke zu verhindern. Auch was die Verkehrspolitik angeht, hat das Bürgerforum vorausgedacht: 1986 hat es in einer Broschüre für eine Straßenbahn für Saarbrücken geworben. Erst wurden die Bürger von der Politik belächelt, gut zehn Jahre später fuhr dann die Saarbahn.
Auch wenn die Politik noch rumeiert: Der Tunnel ist tot. Die Südumfahrung könnte eine Alternative dazu sein. Diese Alternative zu prüfen, zu schauen, wo die Trasse verlaufen könnte, ist nicht Aufgabe des Bürgerforums. Darum müssen sich nun die Experten und die Politiker kümmern

Thema Beethovenplatz
SZ 2.8.2012
„Asozial, ökologisch ein Desaster“ Linke und Grüne beeindruckt von
neuen Ideen
Architektur-Studentinnen bewerten den Beethovenplatz und entwickeln Ideen
Der Beethovenplatz ist einer der beliebtesten Parkplätze der Stadt und dennoch unter seinen Möglichkeiten genutzt – zu diesem Ergebnis kommt ein Planspiel von Studentinnen der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft.
Von SZ-Redakteur
Martin Rolshausen
St. Johann. Der Beethovenplatz ist „asozial in jeder Hinsicht“ und „ökologisch ein Desaster“. Zu diesem Ergebnis ist der Saarbrücker Architektur-Professor Stefan Ochs gekommen, nachdem seine Studentinnen ihm die Ergebnisse ihrer „Plan- B“-Untersuchung gezeigt haben. Plan B ist ein Wahlpflichtfach der Schule für Architektur an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Angehende Architektinnen und Architekten sollen in diesem Fach lernen, ein städtebauliches Problem aus möglichst vielen Blickrichtungen zu betrachten. 
Der Beethovenplatz eigne sich dafür besonders, sagt Ochs. Einst war er Park, jetzt ist er Parkplatz. Um eine neue Nutzung als Park haben sich Parteien, Geschäftsleute und Bürgergruppen teilweise heftig gestritten. Erst vor wenigen Wochen hat das Saarbrücker Bürgerforum seine Forderung, den Platz zum Park zu machen, erneuert. Dass eine neue heftige Diskussion ausblieb, liegt wohl daran, dass keine Gefahr einer Veränderung besteht. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung habe ergeben: „Es ist zurzeit keine Finanzierung möglich“, sagt Stephanie Doll, eine der Plan-B-Studentinnen. 
Dass kein Geld in der Stadtkasse ist, sollte aber nicht vom Nachdenken abhalten, sagen die Studentinnen – und das haben sie getan. Ausgangspunkt der Überlegungen war: Ein guter innerstädtischer Platz muss wirtschaftlich, ökologisch und sozial wertvoll sein. 

„Eine Geldmaschine“
Wirtschaftlich sei der Platz gut genutzt, „eine Geldmaschine“ nennen ihn die Studentinnen. Ökologisch sei der Platz aber ein Totalausfall. Selbst wenn alle vom Parkplatzbetreiber Q-Park gefällten Bäume ersetzt würden, sei der Platz „kein ausreichender Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas“. Eine „grüne Lunge“ für die Stadt könne er auch nicht werden, wenn er komplett bepflanzt würde – dafür sei der Platz zu klein.
Davon, sozialer Ort zu sein, an dem sich alle Generationen treffen, sei der Platz weit entfernt. „Da werden nur Autos abgestellt, das ist extrem“, sagt Hana Jelassi. „Der Beethovenplatz ist im wahrsten Sinne des Wortes asozial, feindlich für alle Generationen“, heißt es in der Plan-B-Dokumentation. Er sei „ein schlechter Werbeträger für die Landeshauptstadt Saarbrücken“.
Davon, aus dem Platz einen Park zu machen, halten die Studentinnen allerdings nichts. „Nur grün wäre nicht gut, da fehlt der wirtschaftliche Aspekt“, erklärt Vanessa-Claire Bussé. Deshalb haben sie und ihre Mitstudentinnen in alle Entwürfe Parkplätze eingezeichnet. Ein Park sei auch deshalb schwierig, weil der „sozial schwer zu kontrollieren“ sei. Im Klartext: In so einem Park werden nicht nur ältere Leute sitzen und Kinder spielen, er kann auch zum Treffpunkt von Menschen werden, die die Parkidylle stören.
Und so haben die Studierenden ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Ein Hotel mit Tiefgarage und öffentlichem Platz können sie sich ebenso vorstellen wie eine Markthalle oder eine Mischung aus Park-, Bolz-, Boule- und Spielplatz.
Das alles seien Ideen, keine Pläne, betont Professor Ochs. Eine mögliche Finanzierung und die technische Machbarkeit seien von den Studentinnen nicht geprüft worden.

Parken plus X
Beeindruckend sei das aber auch ohne konkrete Zahlen, findet Ulrike Donié vom Bürgerforum. Sie findet es spannend, „was die neue Generation denkt“. „Als wir angefangen haben, uns mit dem Platz zu beschäftigen, wollten wir auf jeden Fall die Autos weghaben. Wir waren am Anfang sogar gegen eine Tiefgarage, weil wir die Autos am liebsten ganz raus aus der Stadt haben wollten“, sagt sie. Den Studentinnen geht es darum, erklärt Hana Jelassi, „dass alle etwas von dem Platz haben“. „Aktiv-grün“ nennen sie ihre Idee vom Parken plus X.Saarbrücken. Mit ihrer Anregung, den Beethovenplatz nicht nur als Parkplatz, sondern zum Beispiel als Fläche für ein Hotel, eine Markthalle oder eine Kombination aus Park, Boule- und Bolzplatz zu nutzen, haben Architektur-Studentinnen der HTW einen Stein ins Wasser geworfen, der Wellen schlägt. Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Saarbrücker Stadtrat, Rolf Linsler, hat jetzt gefordert, „über eine bessere Nutzung des Beethovenplatzes nachzudenken“. „Dieser wunderschöne Platz mitten in der Innenstadt sollte kein reiner Auto-Abstellplatz bleiben. Ein Blick in Städte wie Metz oder Nancy zeigt, dass man einen solchen Raum viel besser nutzen kann: unter der Erde ein Parkhaus und oberirdisch etwa Markthallen oder ein Gastronomie-Pavillon“, sagt Linsler.
Er fordert die Stadtverwaltung auf, mit dem Parkplatz-Betreiber Q-Park über ein unterirdisches Parkhaus zu verhandeln. „Natürlich kann sich Saarbrücken allein solche Investitionskosten schwer leisten. Aber in einem Parkhaus könnte man auch mehr Parkplätze unterbringen als oberirdisch. Insofern könnte Q-Park ja auch ein Interesse an einem Parkhaus-Bau haben“, sagt Linsler.
Auch der baupolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat, Guido Vogel-Latz, freut sich über die Initiative der Studentinnen. Die angehenden Architektinnen haben „mit ihren Vorschlägen den Blickwinkel erweitert und aufgezeigt, was alles möglich und passend wäre“, sagt Vogel-Latz. Der Zeitpunkt für diese Ideensammlung sei der richtige, denn das angrenzende Mühlenviertel stehe vor „notwendigen städtebaulichen Veränderungen“.
„Der Auftakt hierzu wird die Neubebauung des alten Stadtbadareals sein. Nachdem das Stadtbad jahrelang vor sich hindümpelte, ist es jetzt gelungen, einen Investor zu finden, der das Areal für Wohnen in der Innenstadt umgestaltet und damit das Mühlenviertel als innerstädtisches Wohnquartier stärkt“, erklärt der Grüne. Er erwartet „positive Impulse für eine Quartiersentwicklung“ und sieht „hier auch Ansätze zur Weiterentwicklung des Beethovenplatzes“. Eine Umgestaltung des Platzes müsse mit der Entwicklung des Mühlenviertels verknüpft werden.

 
SZ vom 3.4.2012 
Beethovenplatz: Park statt Parken? Bürgerforum unternimmt neuen Versuch, einen Stadtpark durchzusetzen
Seit 1986 kämpft das Bürgerforum darum, dass der Beethovenplatz zur „grünen Lunge“ in der Innenstadt wird. Weil nun über eine Aufwertung des Viertels neu diskutiert wird, belebt das Forum den alten Plan.
Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen 
Saarbrücken. Ulrike Donié weiß, was sie tut. Die Vorsitzende des Saarbrücker Bürgerforums hat miterlebt, wie heftig gestritten wurde, wie unversöhnlich, teilweise aggressiv die Argumente ausgetauscht wurden, wie Politiker eingeknickt, Bündnisse zerbrochen sind an dieser Frage: Soll aus dem Beethovenplatz das werden, was er einst war, ein Park mitten in der Stadt? Die Frage schien beantwortet, die Diskussion beendet. Nun eröffnet das Bürgerforum die Debatte neu. „Es bleibt unser erklärter Wille: Der Beethovenplatz soll ein Park werden“, sagt die Vorsitzende des Bürgerforums.
Mit dieser Forderung hätte sich das Bürgerforum, das sich seit 1986 für einen Park auf dem Beethovenplatz engagiert, vor neun Jahren fast durchgesetzt. Auf Betreiben des Forums und einer von der Stadt eingesetzten Arbeitsgruppe der „Lokalen Agenda 21“ stellte der Stadtrat Anfang 2003 alle Weichen in Richtung Park. Im Februar legten sich CDU und Grüne, die damals die bundesweit erste schwarz-grüne Koalition in einer Landeshauptstadt zustande gebracht hatten, fest: Oben soll eine „Grüne Lunge“ im Herzen der Stadt entstehen, darunter eine Tiefgarage.
Anfang April 2003 wurde der Tiefgaragenplan beerdigt. Statt für die damals veranschlagten fünf Millionen Euro einen Investor (im Gespräch war Q-Park) zu gewinnen, schlugen CDU und Grüne vor, 140 Autostellplätze in der Umgebung zu schaffen. So seien auch die alten Bäume auf dem Platz gut zu erhalten, argumentierte das schwarz-grüne Bündnis.
SPD und FDP stellten sich gegen das Vorhaben und fingen an, Unterschriften für die bisherige Nutzung als Parkplatz zu sammeln. Rückenwind dabei bekamen Sozialdemokraten und Liberale von der Bürgerinitiative „Erhaltet den Beethovenplatz“. In dieser Initiative engagierten sich auch Geschäftsleute, die ihre Läden rund um den Platz hatten und teilweise heute noch haben.
CDU und Grüne ließen sich nicht beirren. Am 8. April fassten sie im Stadtrat den Beschluss: Der Beethovenplatz wird umgestaltet. Das Bürgerforum und die anderen in der Agenda-21-Gruppe engagierten Bürger wähnten sich am Ziel – knappe fünf Monate lang. Anfang September 2003 rückte die CDU nämlich vom schwarz-grünen Plan ab. Auch die CDU schlug sich auf die Seite derer, die den Parkplatz erhalten wollen.
Dass das Bürgerforum nun einen neuen Vorstoß wagt, hänge mit zwei aktuellen Entwicklungen zusammen. Zum einen hat Q-Park vor Wochen angefangen, die inzwischen kranken Bäume auf dem Platz zu fällen.
Zweiter Anlass: Es werde von der Politik gerade wieder darüber geredet, das Mühlenviertel rund ums ehemalige Stadtbad aufzuwerten. Durch einen Park würde das Viertel zum tollen Wohnquartier. „Auch die Kaiserstraße, die immer mehr abgehängt wird von der Stadtentwicklung, würde profitieren“, sagt Donié. Es ist ihr klar: „Der Beethovenplatz ist beliebt als Parkplatz, vor allem bei Frauen, die nicht in ein Parkhaus wollen. Eine Tiefgarage wollen die Anwohner schon gar nicht, weil sie dann Baulärm haben.“ Aber die Diskussion neu zu beginnen lohnt sich, glaubt Donié. Foto: Becker & Bredel
1986 rollte das Bürgerforum Rasen auf einem Stück Beethovenplatz aus, um die Park-Idee in Gang zu bringen.
Thema Südumfahrung
SZ 07.05.04
 Rückenwind für eine Vision
  Rückenwind für das Projekt „Stadtmitte am Fluss“ in der Landeshauptstadt: Das Stadtteilforum Alt-Saarbrücken hat sich jetzt offiziell hinter das Vorhaben gestellt, die Stadtautobahn unter die Franz-Josef-Röder-Straße zu verlegen. Alt-Saarbrücken. Die Kritiker hielten sich bedeckt. Oder waren gar nicht erst gekommen. Wie die alte Frau zum Beispiel, die nicht zum Alt-Saarbrücker Stadtteilforum ins VHS-Zentrum am Schlossplatz kommen wollte, weil sie mit dem Thema, das dort besprochen wurde, ein grundsätzliches Problem hat. Das da lautet (wie die Sprecherin des Forums, Christine Paulußen, berichtete): In der Gärtnerstraße soll ein Kindergarten geschlossen werden, weil kein Geld da sei. Auf der anderen Seite werde dann von einem Projekt geschwärmt, das nach jetziger Berechnung rund 115 Millionen Euro kosten wird. Gemeint ist das Projekt „Stadtmitte am Fluss“.
„Wir können uns das leisten“, ließ Hans-Jürgen Koebnick, ehemaliger Saarbrücker Oberbürgermeister und Vorsitzender des Förderkreises „Stadtmitte am Fluss“, der alten Dame ausrichten. Ein einziges Eurofighter-Kampfflugzeug koste 140 Millionen Euro. Da könne man doch nicht allen Ernstes Kindergärten gegen die Entwicklung der Landeshauptstadt ausspielen. Klar, es werde „konfliktreiche Entscheidungen“ geben, prophezeite Koebnick. Denn nicht die volle Summe werde von der Bundesregierung und der Europäischen Union zu bekommen sein. Auch Stadt und Land werden Geld in die Hand nehmen müssen. Und natürlich sei der Weg zur Oase in der Stadtmitte vor allem für die Alt-Saarbrücker ein steiniger.
„Alt-Saarbrücken wird in der Bauzeit zu leiden haben“, räumte Klaus Krüger vom Saarbrücker Städtebaubeirat ein. Deshalb wäre es natürlich gut, wenn die Südumfahrung der Autobahn gebaut werde, bevor die Arbeiten zur Verlegung der Stadtautobahn zwischen Luisen- und Bismarckbrücke in einen Tunnel unter der Franz-Josef-Röder-Straße beginnen. Aber auf diese Südumgehung zu warten, hieße, das Stadtmitte-Projekt auf eine zu lange Bank zu schieben. Die sei eh schon lange genug. Zehn bis zwölf Jahre werden ins Land gehen, bevor die Vision Realität wird. Die eigentliche Bauphase werde etwa drei Jahre dauern, erklärte Koebnick. Wobei der Hochwasserschutz des Tunnels (eine Sorge, die offenbar viele Alt-Saarbrücker umtreibt) „technisch relativ einfach zu lösen“ ist (Krüger). Auch die Sorge von Anwohnern, dass sie wegen des Tunnels mehr vom Hochwasser abbekommen, sei unbegründet. Die Fläche, auf der sich das Wasser verteilen kann, werde nicht kleiner. Es könne an der „Hochwasseraue“ sogar besser abfließen, erklärte Krüger. Und es beeinträchtige den Verkehr nicht mehr, Umleitungen fallen weg, wodurch die Stadt Geld spare, legte Koebnick nach.
Forum ist für das Projekt
Das Stadtteilforum Alt-Saarbrücken haben Koebnick und Krause überzeugt. Es wird zwei Mitglieder in den Förderverein entsenden und das Projekt aktiv unterstützen. „Wir sind positiv gestimmt und wollen da mithelfen“, erklärte Christine Paulußen. Das Stadtteilforum wolle „aber nicht nur Akzeptanzlieferant“ sein, also nicht nur für das Projekt werben, sondern in Entscheidungen eingebunden sein.
Wie die neue Stadtmitte am Fluss in einem guten Jahrzehnt genau aussieht, sei für das Stadtteilforum heute nicht die entscheidende Frage. Wichtig sei die Grundsatzentscheidung, die Autobahn unter die Franz-Josef-Röder-Straße zu verlegen und sie nicht einfach an der jetzigen Stelle zu überbauen. „Alles andere sind Details“, sagte auch Krüger. Der Städtebaubeirat warnt allerdings davor, die Flächen mit großen Gebäuden, von denen es genug in Saarbrücken gebe, zuzustellen.
Das Stadtteilforum sieht seine Aufgabe nun darin, die Politiker anzutreiben. So wie das Altstadtfest einst eine Idee von Bürgern war, so sei auch das Projekt „Stadtmitte am Fluss“, erklärte Waltraud Schiffels von der Volkshochschule, „ein Auftrag der Bürger an die Politik“. ols
Meinung
Bürger sind Schrittmacher von SZ-REDaKTEUR martin rolshausen
Die Art und Weise, wie die Frauen und Männer vom Stadtteilforum Alt-Saarbrücken mit dem Projekt „Stadtmitte am Fluss“ umgehen, ist erfrischend. Zuerst sollte eine Grundsatzentscheidung getroffen werden, sagt die Gruppe rund um Forums-Sprecherin Christine Paulußen. Das heißt: Erstmal alle nervigen Details, in die sich viele Bedenkenträger so gerne verzetteln, weglassen.
Dadurch wird der Blick aufs Wesentliche frei. Das Wesentliche in diesem Fall ist die Frage, ob die Stadtautobahn unter die Franz-Josef-Röder-Straße verlegt oder „nur“ überdeckelt werden soll. Das Stadtteilforum hat sich da nun klar auf die Seite des Städtebaubeirats und des Förderkreises „Stadtmitte am Fluss“ gestellt. Spätestens bis Ende des Jahres sollten dann auch die Politiker wissen, was sie wollen – und endlich durchstarten.
Was Mut und Weitblick angeht, sind viele Saarbrückerinnen und Saarbrücker ihren gewählten Vertretern nämlich schon ein gutes Stück voraus. Also: Nichts wie hinterher, liebe Politikerinnen und Politiker.
SZ vom 24.3.2011


Lösung vieler Verkehrsprobleme?


Alle sind dafür, aber ein Autobahnknotenpunkt an der Messe bleibt Zukunftsmusik
Eine Verbindung der Stadt- und der Frankreichautobahn mit einer Südumfahrung durchs Deutschmühlental und eine Verbindung nach Burbach würde Alt-Saarbrücken, Malstatt und Burbach entlasten.

Von SZ-Redakteur
Martin Rolshausen

Alt-Saarbrücken/Burbach. Dietmar Kolling will nicht missverstanden werden. Er und das Saarbrücker Bürgerforum, für das er spricht, stehen hinter dem Projekt „Stadtmitte am Fluss“. Aber bevor die Stadtautobahn – womöglich – in einen Tunnel verlegt wird, ist aus Sicht des Bürgerforums eine andere Autobahnbaustelle einzurichten – am Messegelände. Dort müsse so schnell wie möglich ein „Vollanschluss“ gebaut, also eine Verbindung zu den Burbacher Saarterrassen auf der einen, zur Frankreichautobahn auf der anderen Seite geschaffen werden.
Das Bürgerforum, das einst die Umwandlung des St. Johanner Markts in eine Fußgängerzone vorangebracht, den Abriss der Alten Brücke verhindert und das Altstadtfest erfunden hat, sieht in der Neuordnung der Messe und deren Umfelds die vordringlichste Aufgabe der Stadtplanung. Die neue Veranstaltungshalle soll aufs Messegelände gebaut werden. Auf dem Gelände des ehemaligen Milchhofs sollen Parkplätze entstehen. Durchs Deutschmühlental soll eine mehrspurige Straße, womöglich sogar eine Autobahn gebaut werden, die die Stadtautobahn mit der Frankreichautobahn verbindet – die lange diskutierte Südumfahrung.
„Das müsste zuerst gemacht werden, anstatt sich noch 20 Jahre lang darüber zu unterhalten, ob wir 400 Millionen Euro für die Stadtmitte am Fluss haben“, sagt Kolling. „Der Tunnel wird dadurch nicht überflüssig“, erklärt er. Im Gegenteil: Die Südumfahrung werde gebraucht, damit während der Tunnelbauphase kein Verkehrschaos in der Innenstadt entsteht.
Ähnlich hatte bereits der ehemalige saarländische Wirtschafts- und Verkehrsminister Hanspeter Georgi (CDU) argumentiert. „Ich bin der Meinung, man muss da einen großen Wurf machen“, sagt auch der Oberbürgermeisterkandidat der Saarbrücker CDU, Peter Strobel. Die Südumfahrung sei wichtig. Und „der Brückenschlag auf die andere Saarseite nach Burbach ist den Unternehmen auf den Saarterrassen ja schon lange versprochen“, sagt er.
Brückenschlag bis 2020?
Dieser Brückenschlag ist auch aus Sicht der Bezirksbürgermeister West, Claus Theres (SPD), und Mitte, Christa Piper (SPD), wichtig. Menschen, die mit dem Auto auf die Saarterrassen wollen, fahren zurzeit entweder an der Malstatter Brücke von der Stadtautobahn ab und drängen sich durch Malstatt. Oder sie fahren an der Gersweiler Brücke raus und sorgen in Burbach für Lärm und Abgase.
„Wir wären alle froh, wenn der Anschluss 2020 fertig wäre“, sagt der Geschäftsführer der städtischen Entwicklungsgesellschaft GIU, Jürgen Schäfer. Er denkt schon weiter: Die Stadt müsse begleitend zu den Planungen des Landesbetriebs für Straßenbau, der für die Autobahn zuständig ist, „Knotenpunkte neu ordnen“. Weil durch einen Anschluss der Saarterrassen an deren Einfahrt in Burbach mehr Verkehr entstehe, müsse dort ein Kreisverkehr gebaut werden.
Bis es soweit ist, wird wohl noch viel Wasser die Saar runterfließen. Es gebe lediglich erste Entwürfe, noch keine konkreten Pläne für den Autobahnanschluss, teilte das saarländische Umwelt- und Verkehrsministerium gestern auf Anfrage mit. Man könne noch nicht sagen, was das Ganze kostet, weil die Planungen „in einem viel zu frühen Stadium“ sind, sagt Ministeriumssprecherin Sabine Schorr. Klar sei aber bereits, dass „eine der entscheidenden Fragen die der Kostenteilung zwischen Bund und Stadt“ sei. Auf die Stadt komme ein nicht unerheblicher Kostenbeitrag zu.
Die Stadt sei in die Planungen „intensiv eingebunden“, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Saarbrücken gehe davon aus , dass der Landesbetrieb für Straßenbau bis 2012 die Planunterlagen vorlegt.
Link zu Rechnungshofbericht Moderne GalerieBerliner Promenade:
Leserbriefe in der SZ
17.7.12
Gelungene Architektur auf der Promenade
Zum Artikel „An der Baustelle bleibt die Eiscafé-Kundschaft aus“ – SZ vom 12. Juli
Die negative Berichterstattung in der SZ zur Baustelle Berliner Promenade bzw. insgesamt zur Stadtplanung nimmt ein Ausmaß an, das einen kaum noch glauben lässt, dass es nicht auch zustimmende Meinungen in dieser Stadt gibt. Oder ist dies nur die schweigende Mehrheit?
Gewiss, in Saarbrücken sind in der Vergangenheit große Fehler gemacht worden, als Beispiel sei nur der Bau der Stadtautobahn genannt. Aber die vielen gelungenen Verbesserungen gerade der letzten Jahre kann man doch nicht übersehen: der Bahnhofsvorplatz, die sanierte Sulzbachstraße, die zur Fußgängerzone umgebaute Futterstraße, der neue Landwehrplatz. Nicht zuletzt die so viel gescholtene Berliner Promenade.
Die zum Ausdruck kommende moderne Architektur mag ja nicht jedem gefallen. Jedenfalls überzeugen die gefundenen Lösungen, zum Beispiel die Erreichbarkeit des Flussufers und die dreifache Anbindung der Bahnhofstraße ebenso wie auch die Begrünung (natürlich muss man den Bäumen noch fünf Jahre Zeit geben).
Ausgerechnet den Inhaber des Eiscafés Viareggio mit Klagen über ausbleibende Kundschaft wegen der Baustelle zu Wort kommen zu lassen, scheint mir unfair. Erstens kann ich die Aussage nicht nachvollziehen, da ich selbst (trotz Baustelle) mehrmals keinen freien Platz finden konnte.
Zweitens wird dieser Standort nach Abschluss der Arbeiten am meisten von der öffentlichen Investition profitieren. Mir kommt es manchmal vor, als würde hier eiskalte Politik den Protest anheizen.
Dietmar Kolling, Saarbrücken

31.7.12
Warum die konzentrierte Häme?
Zur Berichterstattung über die Berliner Promenade
Da staunt der Saarbrücker. So viel Streit und Häme zur Berliner Promenade (und Saarbrücker Baupolitik) gab es selten. Dabei darf sich die Promenade in Kürze wieder zu den schönsten Flaniermeilen Saarbrückens rechnen. Die Saar ist kein Bach, sondern ein Fluss in der Stadt, der nach guter Väter Sitte mindestens in der Prallseite ein festes Ufer braucht. Und der „Treidelpfad“ duldet kein Erlengebüsch. Eine Reihe – noch mächtig wachsender – Bäume, die die Kurve begleitet, reicht zur Begrünung. Da kultiviert sich eine Stadt im besten Sinne, schafft mit dem Landwehrplatz schöne Räume, mit der neuen Futterstraße heitere Stimmungen und dem neuen Südeingang zum Deutsch-Französischen Garten beschwingte Akzente: So gewinnen Stadt und Stadtmitte am Fluss Profil, und das mit Wettbewerben, offenen Gesprächen und sehr viel kostensparender List und Fantasie – ein besseres Baudezernat hatte die Stadt seit Jahrzehnten nicht. Warum die konzentrierte Häme? Mag man da „politisch“ nicht gönnen? Muss die Baudezernentin erst an allen Baustellen das Bauschild Friedrich Joachim Stengels zitieren: „Wer über seinen Horizont hier räsoniert, nicht weniger ohn' ausgemachte Arbeit kritisiert, der wird mit Recht zu einem Narren deklariert, und zwar vor der ganzen vernünftigen Welt“?
Johann Peter Lüth,

 
 
                                                 

 

                                                                                                                                                                                          

 
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